Zulassung Medizin international

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Übersichten allgemein

NC: Was wird als Zulassungskriterium verwendet?

Zulassungsprozess und Zulassungskriterium sind zu unterscheiden. Der Zulassungsprozess kann aufgrund eines oder mehrerer Kriterien erfolgen (z.B. Test und Interview, Abiturnoten und Test). Die Wahl der Kriterien wird durch die Auswahlziele bestimmt. Jedes Kriterium für sich muss entsprechende Gütekriterien erfüllen (Objektivität, Zuverlässigkeit, Gültigkeit das zu messen, was es vorgibt). Rechtsgleichheit und Willkürfreiheit sind die juritischen Begriffe[1]

Einige Auswahlverfahren sind dabei mehrschrittig, vor allem bei grösseren Bewerberzahlen: (1) Vorauswahl aufgrund eines Test ("screening") und (2) Anwendung aufwändiger Interview- und Assessmentverfahren auf einen vorausgewählten kleineren Personenkreis und weitere Auswahl. Da letztere Methoden zumeist teurer sind, bleiben diese vom Aufwand her bewältigbar.

Nichtstandardisierte Kriterien beruhen z.B. auf Maturanoten, akademischer Vorerfahrung, Berufserfahrung, absolvierten Praktika, Bewerbungsschreiben und der Bewertung von gesellschaftlichem Engagement. Je mehr Bewerber auf einen Platz kommen und je weniger vergleichbar diese nichtstandardisierten Kriterien sind, umso eher werden standardisierte Methoden eingesetzt. Einige Aufnahmeprüfungen sind dabei mehr oder weniger reine standardisierte Abiturprüfungen, einige setzen (ggf auch dazu) psychodiagnostische Kriterien[2]

Man kann folgende Komponenten eher psychometrischer Kriterien unterscheiden, die in Testform erhoben werden (allein oder kombiniert):

Standardisierte Tests

  • Sprachkenntnis (für Zulassungen aus dem Ausland)
  • Schulwissen (vor allem in Ländern mit heterogenen Schulsystemen oder Zulassungen aus dem Ausland). v.a. Mathematik, Physik, Biologie, Chemie
  • Denken und Problemlösen ("Reasoning", logisches Denken), z.B. Textverständnis
  • andere kognitive Fähigkeiten wie Konzentration, Gedächtnis, Wahrnehmung ("Werkzeugfunktionen")
    • Für beides kann man "intelligenztestnah" mit allgemeinem Material arbeiten oder die Aufgaben anforderungsspezifisch an Studien- oder Berufsanforderungen orientieren

Sonstige psychodiagnostische Methoden

  • Ausdrucksfähigkeit (schriftliche Essays. Motivationsschreiben, die nach bestimmten Kriterien standadisiert bewertet werden)
  • standardisierte Interviews (geschulte Interviewer beurteilen nach einheitlichen Kriterien)
  • sonstige Assessments (standardisierte Problemsituationen, auf die zu reagieren ist, Beurteilung vergleichbar wie Interviews)
  • Biografische Methoden: Einbezug von Vorerfahrungen, Berufserfahrungen, sozialem Engagement etc., die ggf.zu Bonifikationen führen

Wie wird idealerweise ein Zulassungstest eintwickelt?

  • Definition des Zielkriteriums (Studieneignung, Berufseignung, beides)
  • Anforderungsanalyse zur Identifikation der einzelnen Anforderungen (z.B. hier der AAMC)
  • Definition von Merkmalen, die man benötigt, um diese Anforderungen zu erfüllen
  • Konstruktion von Aufgaben zur Erfassung dieser Merkmale, abstrakt oder tätigkeitsspezifischer
  • Idealerweise Aufgabenerprobung (siehe Testschutz beim EMS), möglichst unter Ernstfallbedingungen (z.B. eingestreut, aber nicht gewertet)
  • Testung und Auswahl der Personen, die ein bestimmtes Kriterium erfüllen (und dann ggf. weitere Auswahl) oder kapazitätsgenaue Auswahl aus der Rangreihe nach dem Ergebnis ("wettbewerbsorientiertes Reihungsverfahren").

Die Zulassungsverfahren unterscheiden sich auch, weil die Zieldefinition, die politischen Voirgaben, die einbezogene psychometrische Basis und auch die "Investitionsbereitschaft" sich stark unterscheiden.

Einstufige und mehrstufige Verfahren

Folgende Modele kann man unterscheiden:

  • Ein Kriterium für die Zulassung; dieses kann homogener (kognitive Studierfähigkeit; Schweiz) oder heterogener (Additive Kombination aus kognitiven Leistungen, Schulwissen und sozialem Wissen; Österreich) zusammengesetzt sein.
  • Mehrere Kriterien für die Zulassung, meist verbunden mit festen prozentualen Quoten
    • Parallel (z.B. Deutschland früher Abiturdurchschnitt, Test, Wartezeit, Kombinationen)
    • Sequentiell mit der Möglichkeit der Vorselektion und Anwendung auf-wändiger Methoden nur für einen eingeschränkteren Personenkreis (z.B. Israel zuerst ein Test und dann ergebnisabhängig Einladung eines Teils zu Interviews)

Validität einzelner Zulassungsvergfahren

  • Die Validität von Auswahlgesprächen im Rahmen der Hochschulzulassung - eine Metaanalyse Benedikt Hell , Sabrina Trapmann , Sonja Weigand , Heinz Schuler Psychologische Rundschau (2007), 58, pp. 93-102. 'Zur Bestimmung der prognostischen Validität von Interviews im Rahmen der Hochschulzulassung wird eine Metaanalyse von k = 44 Einzelstudien durchgeführt, die Auswahlgespräche als Prädiktor und Studiennoten als Erfolgskriterium berücksichtigen. Die mittlere korrigierte Validität von Interviews beträgt ρ = .16. Von insgesamt 11 geprüften Moderatoren der Validität erweist sich der Strukturiertheitsgrad der Interviews als bedeutsam. Unstrukturierte Interviews erreichen eine korrigierte Validität von ρ = .11 gegenüber einer korrigierten Validität von ρ = .21 für strukturierte Varianten dieser Verfahrensklasse. Die für strukturierte und unstrukturierte Auswahlgespräche berechneten Validitätskoeffizienten sind generalisierbar. Die inkrementelle Validität von Auswahlgesprächen gegenüber Schulnoten und Studierfähigkeitstests ist gering.
  • A systematic review of tests of empathy in medicine. Joanne M Hemmerdinger, Samuel DR Stoddart and Richard J Lilford A number of empathy measures available have been psychometrically assessed for research use among medical students and practising medical doctors. No empathy measures were found with sufficient evidence of predictive validity for use as selection measures for medical school. However, measures with a sufficient evidential base to support their use as tools for investigating the role of empathy in medical training and clinical care are available.

MMI Multiple Mini-Interview

Das "Validierungsdilemma"

In den ersten Jahren erfolgt vor allem eine Vermittlung und Prüfung mathematisch-naturwissenschaftlichen Wissens. Studieneignung wäre operationalisiert als Fähigkeit, sich diesen Stoff effektiv anzueignen und die Prüfungen möglichst im ersten Anlauf in der vorgesehenen Zeit zu bestehen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass im Rahmen des Zulassungsverfahren geprüftes Wissen oder geprüfte Fähigkeiten zur Wissensaneignung die höchste Prognosekraft für Studienerfolg haben, indem sie mit Noten und Studiendauer am höchsten kovariieren. Definiert man Studienanforderungen, die diesen Studienerfolgskriterien ferner stehen (von sozialen Kompetenzen über räumliche Vorstellungen bis zu sensumotorischen Fähigkeiten), sind bei entsprechenden empirischen Analysen geringere Prognoseleistungen zu erwarten. Die gesamten im Rahmen der Berufseignung diskutierten "soft skills" hätten ein Problem, dass sich deren Sinn zwar theoretisch ableiten lässt - die empirische Begründung für ihren Nutzen aber ausserordentlich schwer fällt. Ein Weg wäre, dass die Prüfungsleistungen selbst solche Dinge verstärkt verlangen (z.B. OSPE-Prüfung). Ausserdem ist bei sich verschärfendem NC der zugelassene Personenkreis hinsichtlich des Zulassungskriteriums immer homogener - immer weniger Personen mit schlechteren Leistungen werden zugelassen. In den ersten Jahren des NC in der Schweiz wurde durch Nachrückungsverfahren praktisch das gesamte Leistungsspektrum zugelassen und es konnte nachgewiesen werden, dass Personen unter einer bestimmten Leistungsgrenze sehr wenige Chancen auf ein Prüfungsbestehen haben. Der heute zugelassene Personenkreis unterscheidet sich viel weniger beim Testergebnis. Das korreliert allerdings damit, dass heute über 90% der Personen die Prüfungenschaffen - früher war dies die Hälfte.

Methoden nach Ländern

Australien

Belgien

  • toelatingsexamen Teil 1: Mathematik, Physik und Chemie in den Morgen. Teil 2: Biologie am Nachmittag. (Flandern)

Bulgarien

China

Deutschland

  • TMS Partnertest des EMS
  • HAM (entwickelt in HAMburg)
    • HAM-NAT Wissenstest Mathematik, Physik, Chemie, Biologie Der HAM-Nat ist ein Multiple-Choice-Test mit Fragen zu medizinisch relevanten Aspekten der Fächer Mathematik, Physik, Chemie und Biologie. Der Naturwissenschaftstest HAM-Nat wird ca. um 09:00 Uhr beginnen und insgesamt (Einlass, Begrüßung, Austeilen der Testunterlagen etc.) bis 12:30 Uhr dauern. Die reine Testzeit beträgt ca. 120 Minuten, in denen 80 Multiple-Choice-Aufgaben bearbeitet werden müssen.
    • HAM-INT Das HAM-Int ermittelt psychosoziale Kompetenzen und besteht aus mindestens acht Kurzgesprächen mit einer Dauer von jeweils fünf Minuten zu unterschiedlichen Themenschwerpunkten und wird dieses Jahr erstmalig um eine 20-minütige Gruppenaufgabe erweitert. Das HAM-Int dauert ca. 5 Stunden (Einlass, Begrüßung, Durchführung, Wartezeit zwischen den Bestandteilen des HAM-Int) und wird aus Kapazitätsgründen in mehrere Durchläufe aufgeteilt.
    • HAM-MRT Mentales Rotieren Zahnmedizin
    • HAM-Man Drahtbiegeprobe Zahnmedizin
  • siehe auch Medizinstudium 2020

Frankreich

Grossbritannien

  • BMAT BioMedial Admissions Test (siehe auch hier) und hier ein Beispielheft
    • Aptitude and Skills (Problem solving, understanding arguments, data analysis and inference) 35 MC-Fragen, 60 Minuten
    • Scientific Knowledge and Applications (The ability to apply scientific knowledge typically covered in school Science and Mathematics by the age of 16 (for example, GCSE in the UK and IGCSE internationally), 27 MC-Fragen, 30 Minuten
    • Writing task The ability to select, develop and organise ideas, and to communicate them in writing, concisely and effectively. One writing task from a choice of four questions 30 Minuten

Israel

  • Psychometric Entrance Test (PET) des NITE Der PET IST mit dem Schweizer Eignungstest für das Medizinstudium (EMS) vergleichbar, erfasst ebenso «Fähigkeiten, die für akademische Studien erforderlich sind (verbal reasoning, quantitative reasoning, English). Die ersten beiden Faktoren sind nahezu identisch abgedeckt. Sprachkenntnisse müssen wir in der Schweiz nicht testen.

Indien

Irland

Italien

Japan

Kanada

Maroikko

-­‐ Test in Naturwissenschaften, Chemie, Physik und Mathematik

Niederlande

Leiden: BioMedical Admissions Test (BMAT) Leiden entspricht fast dem BMAT Grossbritannien

Dazu Motivationsschreiben und bewertetes Kurzinterview

Österreich

  • MedAT
    • BMS Basiskenntnistest schulisches Vorwissen über medizinrelevante Grundlagenfächer, insbesondere Biologie, Chemie, Physik und Mathematik
    • KFF Kognitive Fähigkeiten und Fertigkeiten 5 Aufgabengruppen, nahe an Intelligenztestaufgaben
    • TV Textverständnis
    • SE Soziales Entscheiden (MC) Eigenschaft, Entscheidungen in sozialen Kontexten hinsichtlich ihrer Bedeutung zu reihen. Beispielaufgaben
    • MF Manuelle Fertigkeiten (Zahnmedizin) Drahtbiegen und Spiegelzeichnen

Pakistan

Polen

Portugal

NC, Zulassungstests: Provas específicas von der entsprechenden Hochschule

Schweden

Spanien

Aufnahmeprüfung, das "Selectividad". Ob man für einen Studienplatz zugelassen wird, errechnet sich aus der Abiturnote und den Ergebnissen im Selectividad.

Südafrika

NBT test: 1. Academic and Quantitative Literacy Test (AQL); 2. the Mathematics Test (MAT). Diese Testresultate werden in Ergänzung zu den Schulnoten berücksichtigt.

Ungarn

Test in Biologie, Chemie, Englisch, Bewerbungsgespräch

USA

Holistic Admission

  • "Holistic Admissions" Fazit: Ein Grund der Einführung ist auch, dass viele angewendeten Tests Wissenstests (Schulwissen) sind oder solche Komponenten enthalten. In Ländern mit heterogenen Bildungssystemen sieht man darin ein Fairnessproblem, dass bestimmte Schichten dadurch eine geringere Chance auf ein Studium haben. Einige, besonders die neuen Universitäten wollen sich durch Berücksichtigung profilieren.

Comment.png An integrated holistic admissions process incorporates four core principles at each stage: screening, interview, and selection.

The Four Core Principles of Holistic Admissions:

1. Selection criteria are broad-based, clearly link to school-specific mission and goals, and promote diversity as essential to achieving institutional excellence.

2. A balance of E-A-M (experiences, attributes, and academic metrics) is:

- used to assess applicants with the intent of creating a richly diverse interview and selection pool and student body
- applied equitably across the entire candidate pool
- grounded in data that provide evidence supporting the use of selection criteria beyond grades and test scores

3. Admissions staff and committee members give individualized consideration to how each applicant may contribute to the edical school learning environment and practice of medicine, weighing and balancing the range of criteria needed in a class to achieve the outcomes desired by the school.

4. Race and ethnicity may be considered as factors when making admission-related decisions only when aligned with mission-related educational interests and goals associated with student diversity AND when considered among a broader mix of factors, which may include personal attributes, experiential factors, demographics, and other considerations

Nachweise und Fussnoten

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  1. Urteile bei Einführung des NC
  2. gemeint sind Methoden, die psychologiesche Testverfahren sind, die wie diese entwickelt und validiert werden.