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Version vom 19. November 2019, 16:24 Uhr von Haensgen (Diskussion | Beiträge) (Aufnahmekapazitäten Humanmedizin weiter erhöht)

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Inhaltsverzeichnis

Aufnahmekapazitäten Humanmedizin weiter erhöht

Seit 2006 wurden die Anfänger-Kapazitäten für ein BA-Studium Humanmedizin an deutlich erhöht. Neu dazu kamen die ETH Zürich (100 Plätze), die USI (15 Plätze, die an der Universität Basel beginnen) sowie je 40 Plätze in Tracks der Universität Zürich gemeinsam mit den Universitäten St. Gallen und Luzern - die in Zürich beginnen, aber bereits einige Veranstaltungen in den Partneruniversitäten absolvieren. Freiburg hat ebenfalls die Anfängerkapazität für Humanmedizin um 17 Plätze ausgebaut und dbietet einen eigenen Master-Studiengang an.

2018 kammen noch einmal weitere 110 Plätze (100 in Bern, 10 in Basel) neu dazu. 2019 blieb dies dann genauso.

Die Hintergründe finden Sie hier dargestellt, insbesondere im Beschluss des Hochschulrates vom 18.11.2016.

Die Nachfrage nach Studienplätzen wächst allerdings ebenfalls stark und insofern blieb der Prozentsatz der Personen, denen ein Studienplatz angeboten werden kann, seit 2011 bei rund einem Drittel. 2018 stieg er auf 38%, 2019 betr$gt er 37%.

Im Jahr 2019 standen in den Universitäten mit NC 4178 Anmeldungen in Humanmedizin plus Chiropraktik 1107 Plätzen gegenüber. Der Rückzug von 21.5% bis zum Test ist ein neues Minimum.

Die steigenden Zulassungen werden erst nach Studienabschluss (plus 6-7 Jahre als Assistenzärzte) bzw. nach Ende der Fachausbildung (plus weitere 5 Jahre) in der medizinischen Praxis aus - diese Geduld ist notwendig. --KDH 15:22, 14. Nov. 2019 (CET)

Kapazitäten Humanmedizin und Chiropraktik, Univ. mit NC - Zum Vergrössern anklicken

ETHZ, USI, Luzerner Track, St.Galler Track und der Ausbau der vorhandenen Studiengänge erweitern das Angebot deutlich (letzte Aktualisierung: 2019)

Mit NC: Keine "Schere" zwischen Immatrikulations- und Absolventenzahlen

Im Jahre 2008 wurde man durch eine sich vermeintlich "öffnende Schere" zwischen den Zahlen der Arztdiplome (Absolventen) und der Immatrikulationen zum Humanmedizinstudium (Studienanfänger) aufgeschreckt - immer mehr Zulassungen stünden immer weniger Absolventen gegenüber. Der Numerus clausus (NC) bzw. der Eignungstest gerieten mit unter Verdacht, daran schuld zu sein.[1] Allerdings wurden für Immatrikulationen und Absolventen jeweils die Zahlen des gleichen Jahres verglichen - durch die Unterschiede für Zeiten mit und ohne NC sah das auf den ersten Blick wirklich etwas bedenklich aus[2].

Da die durchschnittliche Studiendauer damals etwas mehr als 7 Jahre betrug, muss man korrekterweise die Immatrikulationen mit den jeweiligen Absolventenzahlen nach ca. 7 Jahren vergleichen. Seit 2019 haben wir dies auf 6 Jahre, die optimale Studienzeit BA-MA reduziert. Ausserdem ist die Situation für Universitäten mit und ohne NC unterschiedlich - aufgrund der Zahlen bietet sich nun ein viel klareres Bild:

In den Universtäten mit Numerus clausus haben sich beide Zahlenreihen stark angenähert, die Effektivität der Ausbildung ist sehr hoch geworden. Es werden heute vergleichbare Absolventenzahlen wie zur Zeit ohne NC erreicht - aber ohne so viele Ressourcen für Studienabbrüche aufwenden zu müssen und die Universitäten zu überlasten. Die lokale Spitze bei den Immatrikulationen 2001/2002 ist übrigens auf die doppelten Jahrgänge wegen Verkürzung der Maturität zurückzuführen. Dort wurden zeitlich befristet auch mehr Mittel zur Verfügung gestellt, die offensichtlich wirksam eingesetzt werden konnten. Aktuell sind wieder so viele Personen zugelassen wir vor dem NC. Wenn die Absolventenkurve weiter der Zulassungskurve folgt, führt die vermehrte Zulassung auch tatsächlich zu mehr Absolventen. Optimismus ist insofern gerechtfertigt, weil die vermehrte Zulassung nach der Eignung erfolgte (und nicht wie vor dem NC das gesamte Eignungsspektrum umfassten) und auch die Klinikkapazitäten entsprechend ausgebaut worden sind.

An den Universitäten ohne NC tut sich eher eine "Schere" auf. Die begrenzenden Klinikkapazitäten und die davon abhängige Absolventenzahl bleiben wohl weiter eine konstante Grenze. Die Zunahme der Studienanfängerzahlen wirkt sich darauf nicht aus - die Zahl der Studienabbrüche (vor allem wegen der verschärften inneruniversitären Prüfungen) nimmt dann zu[3]

Die Zulassungsbegrenzungen haben also nachweislich zu einer effektiveren "Bewirtschaftung" der begrenzt vorhandenen Studienplätze geführt. Will man mehr Absolventen, muss man mehr Plätze finanzieren (was auch funktioniert). Blosses Fluten der Universitäten bringt nicht mehr Absolventen. --KDH 15:22, 14. Nov. 2019 (CET)

Letzte Aktualisierung: Session 2018.
Immatrikulationen und Absolventen mit und ohne NC - Zum Vergrössern anklicken

Begrenzte Kapazitäten werden mit NC effektiver bewirtschaftet, zu Universitäten ohne NC nimmt der Unterschied zu.

Presseecho zum Thema

Fussnoten


  1. z.B. NZZ vom 10.2.2008
  2. FAQ zu NC und EMS Genauere Details dazu siehe Seite 15 ff.
  3. Datenlink BfS (leider nicht aufrufbar, nur Dokumentation - Datenwürfel muss in www.pxweb.bfs.admin.ch Thema 15 "Bildungsabschlüsse der Hochschulen" jeweils neu deklariert werden) https://www.pxweb.bfs.admin.ch/Table.aspx?layout=tableViewLayout2&px_tableid=px-x-1503040100_101\px-x-1503040100_101.px&px_language=de&px_type=PX&px_db=px-x-1503040100_101&rxid=65463f2d-0f66-46a3-8113-59188a39b557

Kann man den Numerus clausus für Medizin abschaffen?

Würden Sie eine Talsperre abreissen, wenn Sie mehr Wasser in Ihrem Gartenteich wünschen?


Der Nationalrat hatte im Frühjahr 2013 einen Vorstoss angenommen, der unter anderem zur Aufhebung der Zulassungsbeschränkungen für das Medizinstudium (Numerus clausus, NC) auffordert. Der NC würde die Ausbildungsplätze künstlich verknappen[1]. Kantone (als Träger der Universitäten mit Medizinausbildung) und Bund sind sich schon länger grundsätzlich einig, dass man die Ausbildungskapazitäten erhöhen sollte. Der Ständerat hatte dem im November 2013 nicht zugestimmt. Die Forderung wird allerdings immer wieder einmal gestellt. Löst sie die Probleme bzw. ist das Problem "dahinter" ausreichend bekannt?

Ausbildungskapazitäten sind durch die Klinikkapazitäten begrenzt

Ursache und Wirkung sind auseinanderzuhalten. Niemand will schlecht ausgebildete Ärztinnen und Ärzte. Medizin ist eins der teuersten Studien, da es gleichzeitig Berufsausbildung und Studium ist. Wirklich kapazitätsbegrenzend sind die notwendigen Klinikkapazitäten, die nicht unbegrenzt erweiterbar sind. Dazu gehören z.B. genügend Patienten, Technik, Räumlichkeiten, Unterrichtsmaterialien und eine gute Betreuung.

Die Kantone müssen sparen und die Universitäten gesamthaft entwickeln - statt eines neuen Medizinstudienplatzes können mehrere andere eingerichtet werden. Der Bund ist gefragt[2] [3]. Kostenschätzungen für einen Medizinstudienplatz (Immatrikulation bis zum Masterabschluss) bewegen sich zwischen 500.000 und 720.000 Franken .

In der rechten oberen Abbildung sind die Februar-Anmeldungen zum Medizinstudium den Kapazitäten gegenübergestellt. Wie in allen Industrieländern überschreitet die Nachfrage das Angebot, hier und heute etwa drei- bis vierfach und dies mit nahezu linear steigender Tendenz seit dem Jahr 2000, wo auch kein Ende abzusehen ist (rechte untere Abbildung nach Disziplinen). Ein Medizinstudium ist und bleibt attraktiv - nicht nur wegen der vielen Arztserien, sondern auch weil die "Mangeldiskussion" der Ärzteversorgung diesen Beruf immer zukunftssicherer erscheinen lässt.

Ohne NC: anfangs Massenstudium, aber nicht mehr Absolventen

Gäbe es keinen NC und keinen Zulassungstest als Kriterium, müsste dieser Personenkreis tatsächlich immatrikuliert werden. Selbst wenn weiter wie bisher ca. 20% vor Studienbeginn abspringen, käme auf die Universitäten ungefähr die vierfache Menge Anfänger zu wie heute mit NC. Man möge sich selber ausmalen, welches Chaos dies für die Studienpraxis bedeuten würde. 1998, als der NC gegen beträchtliche Widerstände eingeführt wurde, gab es eine Überschreitung der Kapazitäten um lediglich rund 30% und schon dies verhinderte die Einführung von Studienreformen, wurde an den Universitäten als dringlich zu lösendes Problem wahrgenommen. Heute wären es rund 300% mehr!

Ein "darwinistischer" Kampf der Studierenden untereinander um die beschränkten Ressourcen (seien es Bücher, Seminar- und Übungsplätze oder einfach nur Sitzplätze im Hörsaal) fördert nicht wirklich eine Persönlichkeitsentwicklung, die für Medizin unerlässlich ist. Man ist sich auch einig, dass soziale Kompetenz für Ärzte wichtig ist und in der Ausbildung auch berufsspezifisch entwickelt werden muss[4]. Technokraten als Mediziner will auch niemand und dass man zuerst das eigene Fortkommen sehen muss, würde noch extra gefördert. Die Studienreformen im ersten Jahr haben das Ziel, durch Kleingruppen und Problemorientiertes Lernen sowie erste Patientenorientierung und die Förderung von Teamarbeit auch den Sinn des Auswendiglernens sichtbarer zu machen - denn Medizin bleibt vom geforderten naturwissenschaftlichen Wissen her anspruchsvoll[5]. Wenn man das erste Jahr und teilweise das zweite nur "paukt", keine Patienten sieht, der Nutzen des Wissens im Nebel bleibt und man dazu noch die Sorge hat, ob man 'zu den 25% der Studierenden gehört, die nach 2 Jahren und verschärften inneruniversitären Prüfungen noch da sein können, wie soll das wirken? Das sind die falschen Signale für die Persönlichkeitsentwicklung.

Wenn nicht herausprüft wird und man auf begrenzte und teure Ressourcen während des Studiums warten muss, diese wie ein "Nadelöhr" wirken, verlängert sich durch diesen "Stau" lediglich die Studienzeit - gibt es auch nicht mehr Absolventen. Die Gretchenfrage ist, ob man zuerst das Geld für den Ressourcenausbau beschaffen muss oder auf eine imaginäre "Selbstregulationsfähigkeit" der Universitäten durch Abbau des "Schutzdammes NC" und deren "Flutung" hoffen kann (und so die Geldfrage nicht lösen muss). Dieses Experiment sollte man im Interesse des Erhaltens der Ausbildungsqualität nicht im Fach Medizin machen, weil das eben auch eine Berufsausbildung ist, unter deren Mängeln wir dann alle leiden - auch mangels eigener Kontrollmöglichkeiten wie beim Coiffeur oder Bäcker.

Ohne NC resultieren nicht mehr Absolventen

Die Schweiz hat Erfahrungen mit "ohne Numerus clausus" - nämlich in der Westschweiz[6]. Dort ist die Nachfrage im ersten Jahr allerdings nur geringfügig höher als die die angegebene Kapazität. Es finden nach wie vor nach dem ersten Jahr verschärfte inneruniversitäre Prüfungen statt, um die Studierendenzahl für die klinische Ausbildung auf das Machbare zu reduzieren. Die Chance auf einen Abschluss für die Anfänger ist dort nach wie vor etwa 50:50. Vergleicht man die genannten BA-Anfängerkapazitäten (aus 2012) mit den Kapazitäten für das Masterstudium (2015) so stehen im Nicht-NC-Bereich 778* für BA nur 370 für MA gegenüber. In den NC-Universitäten ist das Verhältnis 653 zu 600, dies bedeutet unter Berücksichtigung der "unvermeidlichen" Studienabbrüche praktisch für jeden eine Chance.[7].

Da man nicht bestandene Prüfungen auch einmal wiederholen kann, verlieren die rund 50% der Abbrechenden ein bis zwei Jahre Lebenszeit, binden in dieser Zeit aber auch Ausbildungs-Ressourcen. Trotzdem resultieren nicht mehr Studienabschlüsse[8]. Dass man an diesen Universitäten mit der Situation ohne NC nicht glücklich ist und Lösungen für den Abau der Überlastung sucht, finden Sie im Beitrag Genf betreffend etwas weiter unten.

Kosten für Abbrüche bei Abschaffung NC decken Ausbaukosten?

Das Problem der "Verschwendung" von Ressourcen geht übrigens alle Kantone etwas an, auch die Nicht-Hochschulkantone. Letztere zahlen pro Semester einen Beitrag pro Immatrikuliertem an die jeweiligen Hochschulkantone (im Rahmen der Interkantonalen Universitätsvereinbarung IUV). Es wären an den Universitäten mit NC aufgrund der aktuellen Zahlen 75% Personen betroffen, für die von vornherein feststünde, dass sie wie in Lausanne und Genf nach dem ersten Jahr "herausgeprüft" werden müssen und keine faire Chance auf einen Abschluss haben. Die entsprechenden Beiträge im ersten und für die Prüfungswiederholer noch im zweiten Jahr wären praktisch fehlinvestiert. Grob geschätzt könnte man für die Jahreskosten von 20 Abbrüchen im ersten Jahr einen kompletten neuen Studienplatz mit der Chance auf einen Abschluss finanzieren, wenn man die Kosten zugrundelegt, die hier mitgeteilt werden. Es geht dabei um insgesamt rund 1'900 Personen, die "herauszuprüfen" wären - auf Kostenbasis der IUV entspricht dies mindestens rund 50 Millionen Franken nur für ein Jahr[9].

Die Diskussion um die Erhöhung der Kapazitäten sollte auch weiterhin mit Augenmass und differenziert geführt werden, denn nicht jedes Pro-Argument ist unumstritten.

Sieht man es optimistisch, kann man den Entscheid des Nationalrates als Signal interpretieren, dass auch der Bund etwas unternehmen und auf die Kantone zugehen soll. Das bedeutet in jedem Falle auch, Geld in die Hand nehmen zu müssen. Man darf dabei aber nicht ausser Acht lassen, dass jede "Drohung" ggf. auch einmal realisiert werden müsste. Das Chaos in der Medizinausbildung bei Zulassung aller möchte ich mir nicht vorstellen und ab etwa in 7 Jahren sollte man dann bevorzugt ältere Mediziner aufsuchen, wenn man ärztlicher Hilfe bedarf.

Der NC ist ein Steuerungsinstrument, dass bei vorgegebenen Ausbildungskapazitäten diese optimal ausgenutzt werden und niemand die Hoffnung auf einen Arztberuf gemacht wird, wenn er von vornherein keine Chance hat. --KDH 10:02, 28. Feb. 2015 (CET)

Abbildungen 2019 aktualisiert. Bitte ggf. Browsercache leeren

Anmeldungen und Kapazität Medizinstudium, einzelne Universitäten bis 2019 - Zum Vergrössern anklicken


Anmeldungen und Kapazität Medizinstudium für Universitäten mit und ohne NC bis 2019 - Zum Vergrössern anklicken


Anmeldungen Medizinstudium nach Disziplinen für Universitäten mit NC, Rückzüge Februar bis Juli, bis 2016 - Zum Vergrössern anklicken


Mehr Studienplätze kosten mehr Geld, weil die Klinikkapazitäten begrenzend sind. Einfaches "Fluten" der Universitäten durch Abschaffung des NC wäre ein Abenteuer und würde die Ausbildungsqualität empfindlich treffen. Jeder Dritte müsste abbrechen und 1-2 Jahre verschwenden und die aufgewendeten Ressourcen wären es auch.
Presseecho zum Thema

Fussnoten


  1. Motion in parlament.ch und Stellungnahme des Bundesrates
  2. Bund will kein zusätzlichen Mittel gegen Ärztemangel sprechen NZZ vom 15.3. 2013
  3. Siehe dazu auch die Medienmitteilung der SUK zum Eignungstest 2013, wo eine ausführliche Bewertung der Situation erfolgt
  4. Das neue Medizinalberufegesetz fordert als allgemeine Studienziele im Artikel 6 Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten, im Artikel 7 Soziale Kompetenz und Persönlichkeitsentwicklung
  5. In Graz wurde 2007 der Versuch unternommen, alle Personen zu immatrikulieren und das erste Studienjahr als "Studien-Eingangsphase" zu gestalten. Man hatte eine virtuelle Lernplattform neu entwickelt, wo man die Vorlesungen online abrufen konnte. Das Jahr konnte quasi als "Fernstudium" gestaltet werden, nur für die Prüfungen musste man zur Universität kommen. Das Experiment wurde "geräuschlos" nach einem Jahr beendet, weil nicht die notwendige Stoffmenge vermittelt werden konnte, es ohne Präsenz und Betreuung nicht geht und sich auch die fehlenden Kontakte zwischen den Studierenden negativ auswirkten
  6. In Genf, Lausanne und Neuenburg gibt es keinen Numerus clausus
  7. * In den Nicht-NC-Universitäten ist die BA-Anfängerkapazität eine theoretische Grösse, es werden ohnehin alle Interessierten zugelassen. Deshalb verwenden wir hier die tatsächliche Studienanfängerzahl, die in den Universitäten mit NC der Kapazität entsprechen. In den Folgejahren wollen beide Systeme ausbauen und im NC-Bereich für die gestiegenen Anfängerzahlen Kapazitäten schaffen. Bei der Kostenberechnung ist zu berücksichtigen, dass diese Aufstockung in jedem Studienjahr stattfinden muss - sich am Ende 7mal mehr Personen als der kapazitätsausbau beträgt an der Universität befinden.
  8. siehe die FAQ zu EMS und NC. Frage 17 und 18: In den Universitäten mit NC werden die Studienplätze deutlich effektiver bewirtschaftet als in denen ohne NC. Die "Schere" zwischen Zulassungen und Absolventenzahlen hat sich mit NC geschlossen und dort sind um 90% der Studienanfänger nach dem 2. Jahr noch im Studium.
  9. 3270 Anmeldungen für Humanmedizin stehen 713 Plätzen gegenüber. Rechnen wir mit Rückzügen bis zur Immatrikulation wie bisher, blieben rund 2600 Personen übrig, immatrikuliert werden müssen. Ziehen wir die Kapazitäten ab, blieben rund 1900 Personen die "herausgeprüft" werden müssen. Mit Jahreskosten pro Platz laut IUV von 25'700 wären dies 48.9 Millionen Franken Kosten für Abbrüche, um die es insgesamt geht - wohlgemerkt gerechnet nur für ein Jahr, häufig ist es noch ein weiteres Jahr wegen der Prüfungswiederholungen. Das deckt dann im Prinzip die für den Ausbau der Kapazitäten veranschlagten Kosten.

Systemvergleich Universitäten mit/ohne EMS

In Zürich werden sowohl der NC in Medizin (wieder einmal) in Frage gestellt, als auch eine breitere Einführung desselben in den Sozialwissenschaften gefordert. Dabei darf man nicht ausser Acht lassen, wie die Situation im Fach Medizin wirklich ist.

Zahlen und Fakten: Handout (Vortrag Zürich) (Update 31.3.2015).

Die Essentials:
  • Kapazitätsausbau ist der einzige Weg, mehr Absolventen zu erhalten und das kostet (Geld und Geduld bis zum Studienabschluss).
  • Zulassung aller (und dann verstärkte inneruniversitäre Prüfungen) ist aus ethischen und ökonomischen Gründen weder möglich noch sinnvoll - auch bei jeder einigermassen realistischen weiteren Aufstockung der Kapazitäten.
  • Das System "ohne NC" in der Westschweiz und den verschärften inneruniversitären Prüfungen wäre nicht mit einer Situation "ohne NC" in den Universitäten mit NC vergleichbar.
  • Wenn man die Zulassung beschränken muss (was man NC nennt), ist der EMS immer noch das sinnvollste Kriterium.
  • Einbeziehung sozialer Kompetenz oder von Berufseignung in die Zulassung sind als Ideal sinnvoll, die bisher sichtbare Realisierung in einem Zulassungsverfahren hat aber mehr Probleme als Nutzen.

Kosten eines Studiums und Personenzahl

Was antwortet man auf die Frage "Stellen wir einfach mehr Stühle in die Hörsäle und gut ist es"? Bei steigenden Studierendenzahlen steigen die Kosten differenziert - und nur wenige einfach "kopfbezogen" linear (fester Preis pro Person, etwa die Kosten eines Stuhles - oder von Materialien). Die meisten steigen stufenweise (Personenzahl und Kosten damit verbunden kleiner oder grösser):

  • kleinere Stufen: Seminare, Übungen und Praktika sind nur bis zu bestimmten Gruppengrössen sinnvoll. Übersteigt die Studierendenzahl das Angebot, müssen ggf. weitere Veranstaltungen parallel angeboten werden. Das bedeutet zusätzliche Lehraufträge, Räume, Kursmaterialien
  • mittlere Stufen: wenn z.B. auch mehr Räume benötigt werden, mehr Technik benötigt wird o.ä.
  • grosse Stufen: jede Universität ist auf bestimmte Maximalkapazitäten ausgelegt (Hörsäle, Bibliotheksplätze, Mensa, Patienten bzw. Betten), alle sind bereits heute ausgelastet. Kommt die Universität an eine Grenze, muss neu gebaut werden.--KDH 15:23, 14. Nov. 2019 (CET)
Vergleich Univ. mit und ohne NC für Kohorten 2012 und 2015 - Zum Vergrössern anklicken

50% müssen heute in Univ. ohne NC herausgeprüft werden. In denen mit NC hat jeder eine Chance - ohne NC müssten dort 75% herausgeprüft werden.

100 Millionen mehr für die Medizinausbildung

Ber Bund plant, ab 2017 verteilt über 4 Jahre 100 Millionen Franken in die Medizinausbildung zusätzlich zu investieren. [1] Das ist ein wichtiges Signal, dass man mehr Mediziner ausbilden will - um die Hausarztmedizin zukünftig besser abzusichern, den Bedarf durch ausgebildete Inländer zu decken, der Tatsache zunehmender Teilzeitbeschäftigungen gerecht zu werden etc. Was sind die 100 Millionen dabei "wert", die in 4 jährlichen Raten zu 25 Millionen ab 2017 bereitgestellt werden sollen? Und was kommt danach?

Wieviele Plätze kann man durch 25 Millionen jährlich mehr finanzieren?

Schätzungen der Kosten pro vollausgebildetem Mediziner (während der gesamten 7 Jahre durchschnittlicher Ausbildungsdauer, also inklusive Praktika) liegen zwischen 500'000 und 700'000 Franken. Legt man nur die nicht kostendeckenden Beiträge der Nichthochschulkantone an Hochschulkantone pro Platz (IUV [2]) zugrunde, sind dies immer noch 308'000 Franken. Finanziert wären also für 25 Millionen pro Jahr zusätzliche 81 Plätze (Basis IUV), 50 Plätze (bei realistischen 500'000 Kosten) oder weniger, so die Kosten höher wären. Dieser zusätzliche Finanzbedarf entsteht allerdings kontinuierlich, auch nach den 4 Jahren wird mehr Geld benötigt (siehe die Simulation der Kosten für die Studienplatzerhöhung von 60 in Zürich, Abb. rechts). Wie die Simulation zeigt, fallen die höheren Kosten nicht in den ersten Jahren an, sondern wenn die Studierenden im teureren Masterstudium sind und wirklich 7 Jahre lang jeweils die grössere Personenzahl zugelassen worden ist und diese Personen "parallel" in verschiedenen Jahrgängen studieren. [3]

Da die Nichthochschulkantone für Ihre Studierenden bei einer Kapazitätserhöhung auch mehr IUV-Beiträge an die Hochschulkantone zahlen, müssen auch diese "Folgekosten" bedacht werden. Die sind immerhin 308'400 Franken pro Platz bei sieben Jahren durchschnittlicher Studiendauer.

Beim damit verbundenen Ziel, 250 zusätzliche Ärzte auszubilden, muss erwähnt werden: Seit der Feststellung des "Defizits" bei der Ausbildung wurden an den Universitäten mit NC bereits zusätzliche Plätze geschaffen, seit 2006 sind es an den Universitäten mit NC 247 (45% mehr), seit 2012 sind es 140 (plus ein ganzes Jahr mehr im BA in Freiburg). Auch die Universitäten Genf und Lausanne bemühen sich, die Zahl der Abschlüsse zu erhöhen und diese sind in das genannte Ziel der Erhöhung mit eingerechnet. Das politische Ziel wird also ziemlich sicher erreicht werden.

Braucht es trotzdem noch einen NC?

Eine der am hartnäckigsten sich haltenden Illusionen ist diejenige, dass Studienplatzerhöhungen (auch optimistischste) einen NC überflüssig machen würden: Bei Steigerung der Absolventenzahl um 200 Plätze (geschätzter Anteil, der von den 250 auf die Universitäten mit NC entfällt), müssen 2015 immer noch 67% oder über 1'800 Personen der Interessenten für ein Medizinstudium abgelehnt werden. Ein "Fluten" der Universitäten ist nach wie vor ein gefährliches Spiel mit der Ausbildungsqualität (siehe dazu hier mehr).

Auch die Idee, das Problem durch Praktika zu lösen, ist keine neue. Sie wurde vor der Einführung des NC in Zürich ernsthaft geprüft und scheiterte an fehlenden Plätzen, zu hohem Betreuungsaufwand und vor allem der Tatsache, dass sie nicht wirklich regulierend wirkt: Jede Person, die ein solches Praktikum gemacht hat, will dann auch studieren. Auch die Spezifik der Studienvorbereitung wurde kritisch gesehen - sind es doch vorwiegend Hilfstätigkeiten, die allenfalls die Motivation prüfen. Wollte man daraufhin einen NC anwenden: Faire vergleichbare Praktikums-Beurteilungen, die dann über die Zulassung entscheiden, sind nicht möglich - dazu sind zu viele verschiedene Beurteiler mit "unterschiedlicher Enge" der Beziehungen zu den Kandidaten beteiligt. Auch die Berücksichtigung sozialer Kompetenzen im Auswahlprozess ist durch ein blosses Praktikum kaum zu realisieren, dies erfordert standardisierte und vergleichbare Anforderungen für alle und einen aufwändigen Beurteilungsprozess.

Und entgegen aller Gerüchte: Die Ausbildungsplätze Medizin der Schweiz waren und sind überwiegend Bildungsinländern vorbehalten, ein Zugang für Ausländer erschwert bzw. unmöglich.

Die 100 Millionen sinnvoll einsetzen!

Die neuen Mittel sollten daher sinnvoll für die "Durchfinanzierung" von Plätzen bis zum Master-Studienabschluss, also die Schaffung von Klinikkapazitäten, eingesetzt werden. Allein für die 60 Mehrplätze in Zürich aus 2013 entsteht am Ende im Jahr 2020 ein jährlicher Finanzbedarf zwischen 14.5 Millionen (IUV) bzw. 29 Millionen Franken (approximiert tatsächliche Kosten). Würde man aber nach dem Praktikum alle zulassen und diese wie heute in der Westschweiz nach dem ersten Jahr herausprüfen müssen, würden auf Basis der Anmeldungen 2015 dies für ca. 1'500 Personen zutreffen (300 würden im Praktikum merken, dass es nicht der Berufswunsch ist - dazu käme aber die bisher jährliche Zunahme der Anmeldung um weitere 150 Personen). Für diese Abbrüche entstehen mindestens Kosten von 38.5 Millionen (nur IUV) bzw. 50 Millionen mit Einrechnung der Repetenden, die mehr als 1 Jahr an der Universität verbleiben, die "verpuffen" würden. Die zusätzlichen Zuwendungen eines Jahres wären dafür verbraucht.

Mit Veterinär- und Zahnmedizin, wo es auch einen NC braucht, wären dies 2150 herauszuprüfende Personen. Auf der Basis der IUV-Kosten wären dies ohne Repetitionen bereits 55'255'000. IUV-Kosten sind nicht kostendeckend, enstehen aber den Nichthochschulkantonen effektiv.

Nur die Zahl der Personen zuzulassen, die tatsächlich eine Chance auf einen Abschluss haben, bleibt daher die ökonomisch sinnvollste Variante. Dies geht auf absehbare Zeit nur mit einem NC. Solange der Eignungstest nachweislich den Studienerfolg vorhersagt und das "professionelle" Training zwar laut seine Erfolge verkündet, in allen bisherigen Evaluationen aber nicht wirksamer als die empfohlene Vorbereitung bleibt (siehe Vorbereitungsreport), ist diese Lösung angemessen. --KDH 11:19, 23. Jun. 2015 (CEST)

Kostenentwicklung für die 60 zusätzlichen Plätze in Zürich aus 2013 - Zum Vergrössern anklicken
Trotz Steigerung immer noch 67% zu viele Interessenten für ein Medizinstudium - Zum Vergrössern anklicken

Kosten für einen Kapazitätsausbau entstehen fortlaufend. Ein NC ist weiter notwendig, weil immer noch zu viele Interessenten

Fussnoten


  1. Schneider-Ammanns Finanzspritze gegen den Ärztemangel Der Bund vom 20.6.2015
  2. Interkantonale Universitätsvereinbarung, siehe Seite 5
  3. Das Praktikumsjahr ist hier mitgerechnet, weil auch dann die Kandidaten immatrikuliert sind und IUV-Beiträge zu zahlen sind und Kosten anfallen. Die Beschränktheit dieser Praktikumsplätze ist im Übrigen auch eine Begrenzung für den Ausbau im Masterstudium.

Studienfachwechsel von über 25% in der Medizin?

Kürzlich hat die Presse mit einer Mitteilung "erschreckt", das über 20% in Human- und über 25% in Zahnmedizin das Studienfach wechseln, was auf einer Studie der SKBF beruhe. Merken "orientierungslose" Studierende erst während des Studiums, dass es nicht das richtige ist oder suchen wir mit dem Eignungstest gar die Falschen aus?

Schaut man genauer hin, kann Entwarnung gegeben werden. Die Statistik scheint plausibel (bezogen auf die gesamte Schweiz), man muss aber die Definitionen beachten: Der Grund des Studienfachwechsels wird nämlich nicht unterschieden - gleich ob freiwillig, oder unfreiwillig. Unfreiwillig umfasst alle, die wegen Nichtbestehens von Prüfungen ein Studium abbrechen müssen und danach ein anderes (ggf. einfacheres) beginnen. Freiwillig würde z.B. diejenigen betreffen, die während des Studiums bemerken, dass es nicht das Richtige ist und ein anderes beginnen, obwohl sie die Leistungsanforderungen erfüllen. Da das Wort "Studienfachwechsel" ein aktives (freiwilliges) Verhalten impliziert, konnte dieses Missverständnis möglicherweise entstehen.[1]

  • Insofern ist es erstens nicht verwunderlich, das "schwere" Studiengänge aus dem MINT-Bereich hier weiter oben stehen. In einigen finden im ersten Studienabschnitt vergleichsweise schwere selektive Prüfungen statt und die Durchgefallen müssen sich neu orientieren und zählen hier als Wechsler, wenn sie ein anderes Studium beginnen.
  • Eine Differenzierung für Medizin nach dem Numerus clausus ist ebenfalls notwendig. In den Universitäten ohne NC müssen rund 50% der Studienanfänger im ersten Jahr durch verschärfte inneruniversitäre Prüfungen herausgeprüft werden, damit die Kapazitäten nachfolgend nicht überlastet werden und die Ausbildungsqualität gesichert werden kann. Auch diese zählen als Wechsler, wenn sie ein anderes Studium beginnen.
  • In den Universitäten mit NC ist dagegen für Humanmedizin die hohe Absolventenquote der wichtigste Fortschritt (siehe hier), wir würden aufgrund eigener Daten mit maximal 5-7% Studienfachwechseln rechnen - Prüfungsnichtbestehen und freiwillige Abbrüche zusammengenommen.
  • Zahnmedizin hat Besonderheiten. In der Westschweiz unterliegt dieser Personenkreis den gleichen verschärften Prüfungen, die ebenfalls bei Aufnahme eines anderen Studiums als Wechsler zählen. Da der Zugang an den Universitäten mit NC aufgrund der geringeren Nachfrage einfacher war als für Humanmedizin und die ersten beiden Jahre in der Ausbildung identisch waren, wurde dies als "Backdoor" für einen Studienplatz in der Medizin zu benutzen versucht. Man hat bewusst auf eine Wechselmöglichkeit zur Humanmedizin spekuliert. Dies wurde zunächst auch häufig genehmigt (weil dort noch Platz war), dann wegen der Kapazitätsauslastung in Humanmedizin zunehmend unmöglich. Die im Erfassungszeitraum der Studie genehmigten Wechsel zur Humanmedizin zählen also mit. Weil Wechsel heute nicht mehr so einfach sind, spielt die Neigung zum Beruf Zahnarzt für die Wechselwilligen eine grössere Rolle. Unterschätzen diese z.B. die geforderten manipulativen Fähigkeiten, sind Studienwechsel für die "demotivierten" Studierenden vielleicht sogar die bessere Lösung. Die hohe Zahl um 25% scheint daher auch für Universitäten mit NC plausibel und begründet noch einmal, dass man sich um dieses Problem kümmern musste, um genügend zahnärztlichen Nachwuchs auszubilden. Durch verschiedene Massnahmen wurde und wird weiter daran gearbeitet, dass sich wirklich nur Interessierte und Geeignete für den Zahnarztberuf bewerben.

Bevor man Schlussfolgerungen aus diesen Zahlen ziehen kann, müsste man freiwillige und unfreiwillige Studienwechsel unterscheiden bzw. die Motive und ihre Anhängigkeiten (siehe Fussnote) differenzieren. "Bildungsökonomisch" wäre es für erstere wichtig, die Neigung für Studium und Beruf vorher besser zu erkunden (etwa durch Self Assessments oder andere Informationen). Für Studienwechsel aufgrund Prüfungsnichtbestehen wären frühe und objektive Leistungsrückmeldungen sinnvoll, welche die Bestehenswahrscheinlichkeiten besser abschätzbar machen. Der EMS liefert eine solche und deshalb wäre die Unterscheidung "mit und ohne NC" ebenfalls wichtig. Und was die Personen dann machen, die ein bis zwei Jahre vergeblich in der Westschweiz versucht haben, Medizin zu studieren und dann herausgeprüft worden sind, wäre bildungspolitisch und -ökonomisch ebenfalls relevant. Können sie von der Ausbildung profitieren oder sind die Jahre praktisch verloren? Aus der Differenz zwischen Herausgeprüften und Beginnern eines zweiten Studiums könnte man ablesen, wie viele Personen die Frustration dauerhaft von einem weiteren Studium abgehalten hat--KDH 06:56, 13. Jul. 2016 (CEST)

Abb. 2: Fachbereichswechselquoten nach Fachbereich, Eintrittskohorten 2007–2009 - Zum Vergrössern anklicken

aus: Studienfachwechsel im Bologna-System. Eine Analyse der universitären Hochschulen der Schweiz. Andrea Diem SKBF Staff Paper 17

Fussnoten


  1. Die generelle Trennbarkeit beider Motive muss allerdings weiter hinterfragt werden. Wenn eine Prüfung nicht bestanden wird, deren Wiederholung als zu anstrengend oder gar aussichtslos erlebt wird, sind andere subjektive Abbruchmotive denkbar - bis zur Wahrnehmung, dass man "eigentlich" freiwillig aufhört und wechselt, weil andere Gründe eine weitere Anstrengungsbereitschaft subjektiv nicht rechtfertigen. In entsprechenden Analysen sollte daher genau unterschieden werden, ob die Prüfungen bestanden worden sind und man trotzdem wechseln will oder aktuell Prüfungen wiederholt werden müssten, um das Studium überhaupt fortsetzen zu können. Auch Personen, die für die Fortsetzung des Studiums zu einer Erstprüfung antreten müssten, dies aber z.B. aus der Furcht zu versagen nicht tun, müsste man noch unterscheiden.

Wie sollte man weiter vorgehen, um das Zulassungsverfahren zu optimieren?

Die Diskussionen zur Weiterentwicklung sind im Gange, sie müssen wie erwartet viele Aspekte berücksichtigen und dies braucht seine Zeit.

Gemeinsam mit der Veterinärmedizin konkretisieren wir das Vorgehen (auch dort ist ein NC notwendig und nicht alles der Humanmedizin trifft zu). Folgende Erfahrungen zeichen sich ab, die für Human- und Zahnmedizin aber ähnlich gelten:

  • Die "Stakeholder" (Vorgabe der Zulassungsziele) und die "Experten" (Übersicht über international gebräuchliche Zugänge, Wissen, ob und wie man die Ziele unter Einhaltung der gesetzlichen und wissenschaftlichen Grundlagen methodisch umsetzen kann) müssen dies im Dialog entwickeln.
  • Dabei müssen die Ziele hinsichtlich ihrer Realisierbarkeit "geerdet" bleiben und die Methoden zielorientiert ausgewählt werden (nicht alles ist möglich, nicht alles Mögliche ist zielführend)
  • Die Politik ist dann gefragt, ob sie - neben der Akzeptanz - die finanziellen und sonstigen Rahmenbedingungen schaffen kann (z.B. wäre eine Vorverlegung des Testtermins zwingend, um nach dem EMS überhaupt zweite Zulassungsetappen zu realisieren. Dies greift aber in die Zeitpläne anderer ein, etwa der Maturitätsprüfungen).

Wir stellen hier den aktuellen Stand zur Diskussion, wo die "Experten" zunächst eine Übersicht geben, was unter welchen Bedingungen möglich und sinnvoll ist. Wir gehen davon aus, dass die "Stakeholder" auf dieser Basis die Definition von Zulassungszielen effektiver vornehmen können.--KDH 15:23, 14. Nov. 2019 (CET)

Methoden und erfassbare Inhalte - Zum Vergrössern anklicken

Beispielhaft sei die Zuordnung Methode und Inhaltsbereich hier angegeben

"Evolutionäre Weiterentwicklung" des Zulassungsverfahrens

Diskussionen über die Weiterentwicklung des Zulassungsverfahrens zum Medizinstudium sind nötig und erfolgten regelmässig - auch verbunden mit tatsächlichen Veränderungen. [1] Die vorherige Bekanntheit einzelner Aufgaben sowie Initiativen, die Zulassunsgkriterien selbst zu ändern oder zu ergänzen, sind dabei einzubeziehen (so z.B. das sogenannte "israelische Modell", was letzendlich nur auf eine Ergänzung durch ein Assessment zur Erfassung sozialer Kompetenzen hinausläuft [2], die Lösung durch Praktika oder die von einzelnen Fakultäten gewünschte Berücksichtigung mathematisch-naturwissenschaftlicher Kenntnisse, weil der Wissensstand zu Studienbeginn zu unterschiedlich sei [3] ). Selbst Intelligenztests werden hin und wieder vorgeschlagen, obwohl genau dies in den ersten Jahren fälschlich dem EMS unterstellt und er entsprechend heftig kritisiert wurde. [4]

  • Diese Diskussion muss vor allem „top down“ geführt werden. Die „Stakeholder“ (Universitäten/Kantone, Bund und letztlich die „Konsumenten“ von Medizin) müssen ihre Auswahlziele einbringen, wen sie als Studierende und später Berufsausübende wollen.
  • Die Ziele müssen dann an den Möglichkeiten und Grenzen verschiedener Zulassungsmethoden „bottom up“ orientiert bleiben, um weiterhin Wissenschaftlichkeit gepaart mit Ökonomie bei der Zulassung zu gewährleisten und keinen Illusionen aufzusitzen. Es geht bei der Auswahl um nichts Geringeres als valide Langzeit-Vorhersagen von Erfolg im Studium oder im Beruf und welche Merkmale man vor einer Studienaufnahme schon voraussetzen und prüfen kann. [5]

Diese breite Diskussion sollte Verabsolutierungen einzelner Kriterien vermeiden und vor allem die Langfrist-Konsequenzen mit bedenken. Das für den EMS konzeptionell zuständige ZTD hat ein Papier mit den verschiedenen Optionen von Zulassungverfahren, ihrer wissenschaftlichen Fundierung und Auswirkung auf die Auswahl verfasst. Es ist ergebnisoffen quasi eine "Speisekarte", welche die verschiedenen international angewendeten Verfahren in ein System bringt. Dieses Papier kann als Ausgangspunkt der Diskussionen dienen. Zwei Fragen stehen im Mittelpunkt:

  • Gibt es bezüglich der jetzt verwendeten Zulassungs-Methode Änderungsbedarf, weil andere Auswahlziele heute generell gelten?
  • Ist mehr Diversität auf der Ebene der Kriterien wie der Verwendung derselben durch die Universitäten angemessener, weil mehrere Ziele zugleich bzw. nicht überall die gleichen Ziele gelten?

Weil die Diskussion ohnehin auf verschiedenen Ebenen läuft und auch die (Fach-)Öffentlichkeit diese Fragen diskutiert, haben wir dieses Papier in der Schweizerischen Ärztezeitung einem breiterem Publikum vorgestellt. Wir verbinden damit die Hoffnung, dass der Komplexität angemessene Lösungen gesucht werden, die zugleich wissenschaftlich ausreichend fundiert und effizient sind. Diese Diskussion wird Zeit und Intensität fordern - aber möglichst dem Motto folgen "Erst eine gute Diagnostik, dann die Therapie".

Eine Tatsache sollte dabei nicht untergehen: die kognitive Studierfähigkeit gemessen mit dem EMS, hat sich bewährt: Die Absolventenrate liegt an allen Universitäten mit NC mittlerweile über 90% der Anfänger, die Vorhersagegüte für Sudienerfolg ist weiterhin gut[6] und das für die Ausbildung investierte Geld gut angelegt und nicht durch Studienabbrüche verloren. Sein Problem war die Testsicherheit (auf eine Aufgabenwiederholung muss man zumindest bis zum befriedigenden Abschluss der rechtlichen Auseinandersetzungen nun ganz verzichten). Dies wird man beheben können[7] und so einen der besten Studierfähigkeitstests im internationalen Massstab als Modul erhalten können, wenn man dies will.

Artikel zum Download:

Wieviel Prozent Bewerber erhalten einen Studienplatz?

Bezogen auf Presseberichte gab es eine Nachfrage, worauf sich die rund 25% der Bewerber für Humanmedizin beziehen, die nur einen Studienplatz erhalten. Richtig für 2015 ist, dass 34% der Personen mit gültigem Testergebnis einen Platz erhielten. Im Februar bei der Anmeldung zum Medizin-Studium standen aber 3491 Anmeldungen 793 Plätzen gegenüber. Bereinigt auf Bewerbungen um einen "Anfängerplatz" kann nur rund 1/4 der Personen diesen auch erhalten. Es macht Sinn, den Fokus auf diese Zahl zu legen:

  • Zum einen wissen wir nicht, welche Gründe es für einen Rückzug zwischen Studienanmeldung und Test gibt. Ein Verdacht ist, dass es Personen sind, denen der Studierfähigkeitstest zu "dissuasiv" ist (dies umso mehr, je schärfer der NC wird) und die deshalb nicht antreten. Es wurde auch vermutet, dass es vor allem Personen sein können, deren Stärke auf dem Gebiet der sozialen Kompetenz liegt, die für Hausarzt hinsichtlich dieses Merkmals geeignet wären - nicht unbedingt tatsächlich eine zu geringe kognitive Studieneignung aufweisen müssen. Eine frühe realistische Umorientierung kann im Gegenteil Ausdruck sozialer Kompetenz sein. Möglich sind auch rein präventive Anmeldungen, um sich später zu entscheiden. Dies sind aber Spekulationen und sie bedürften der Analyse. Wichtig ist, bei einer Neuanalyse der Zulassung mit der Frage zu beginnen: Wie halten schon vom Zeitpunkt der Interessenbekundung für ein Medizinstudium diejenigen im Bewerbungsprozess durch, die wirklich geeignet sind? (und noch weiter: wie kann das Interesse bei den richtigen Leuten geweckt werden?). Das bereitgestellte Self-Assessment kann Informationen zur Selbstbewertung liefern - sollte aber noch durch weitere Methoden ergänzt werden.
  • Zum zweiten wäre das die Zahl der ohne NC zuzulassenden Personen, weil es keinen weiteren Anmeldeschritt gibt. Ob dann ohne den Test ebensoviele zurücktreten, ist nicht bekannt. --KDH 22:17, 20. Jan. 2016 (CET)
Mögliche Elemente eines Zulassungsverfahrens - Zum Vergrössern anklicken

Je nach den gewählten Zulassungszielen stehen diese Methoden zur Auswahl, die international erprobt sind.

Fussnoten


  1. Neben den jährlichen Beiratssitzungen, wo dies thematisiert wird, fanden zwei Workshops mit dem erweiterten Beirat statt. 2003 (siehe Protokoll 2003 hier) erfolgte ein erster Abgleich mit den Anforderungsanalysen. Dies wurde 2012 wiederholt (siehe Protokoll 2012 hier). Neue und modifizierte Aufgabengruppen, die Anpassung der Auswertung und eine Umstellung des Tests resultierten daraus. Die Suche nach testgeeigneten Erfassungsmethoden für soziale Kompetenz wurden mehrfach ebenso erörtert wie ergänzende Interviews, bisher überwogen dort die Probleme bzw. fehlte ein zusätzlich erwarteter Nutzen. Der NC war zu dieser Zeit aber vergleichweise moderat und der EMS war mehr eine tatsächliche Negativauslese von Personen mit fehlender Studieneignung.
  2. Einige Argumente der Befürworter sind klar falsch (z.B. dass der heutige Test der Schweiz ein Wissenstest sei, für den man "pauken" müsse). Ergänzende Interviews und Assessments werden in vielen Ländern nach unterschiedlichen Konzepten angeboten. Der vorgeschaltete PET-Test in Israel ist wiederum dem EMS sogar sehr ähnlich. Darüber soll diskutiert werden, um Kosten und tatsächlichen Nutzen abzuwägen, denn anscheinend geht man hier auch von sehr idealisierten Vorstellungen aus, was diese Methoden können. Dazu siehe auch Artikel SÄZ, wo wir dies einordnen und einige Voraussetzungen darstellen
  3. Dies wurde früher bei der SUK bzw. jetzt SHK beantragt. Ein bestimmter Prozentsatz der Aufgaben soll durch Wissensfragen Biologie/Chemie/Physik ersetzt werden. "Training" wäre dann nützlich. Einige Nachteile müssen abgewogen werden.
  4. Unter Intelligenztests versteht man vergleichsweise abstrakte Anforderungen (Analogien, Reihen fortsetzen, Matrizentests u.ä.), die Fähigkeiten nicht spezifisch für Studienanforderungen messen. In entsprechenden Metaanalysen schneiden sie hinsichtlich der prognostischen Validität für Studienerfolg auch schlechter ab als spezifische Studierfähigkeitstests. Ihnen fehlt die "Augenscheinvalidität", dass die gemessene Fähigkeit etwas mit den späteren Anforderungen zu tun hat (analog einer Arbeitsprobe), sie sind nicht so komplex wie die Aufgabengruppen des EMS zum Logischen Denken, die eher Arbeitsproben für spätere Studienanforderungen ähneln.
  5. Solche Langzeitvorhersagen sind in der Eingnungsdiagnostik ausreichend untersucht und es gilt: Je länger der Vorhersagezeitraum ist und je mehr Entwicklung darin stattfindet (immerhin ein komplettes Studium), umso ungenauer werden die Prognosen und umso mehr können Defizite ausgeglichen werden oder vorhandene Vorteile schwinden. Die Zulassung selbst ist aber darauf angewiesen, dass die Studienplätze vor Studienbeginn fair verteilt werden und ein "Rechtfertigungszusammenhang" zwischen Zulassungs-Kriterium und Erfolgsaussicht ausreichend begründet ist.
  6. Im Vorbereitungsreport 2014 wird nachgewiesen, dass offenbar durch eine Überflutung mit Material eine Gruppe, die am wahrscheinlichsten am Training teilgenommen hat, keine statistisch deutlich nachweisbar bessere Leistung erzielte
  7. Für 2015 bestand Hoffnung auf eine sichere rechtliche Lösung, der komplette Ersatz aller Aufgaben war aus Zeitgründen noch nicht möglich, weil diese Aufgaben hinreichend entwickelt und erprobt sein müssen. Für 2016 sieht die Situation für die Lösung nun schon anders aus (ohne der konkreten Lösung vorgreifen zu wollen, sie wird beanntgegeben, wenn ein NC empfohlen werden muss).

Maturanoten als Zulassungskriterium für das Medizinstudium?

Wenn jemand einen exzellenten Maturaabschluss gemacht hat, dann aber aufgrund des EMS-Testergebnisses nicht zum Wunschstudium Medizin zugelassen wird, ist das ärgerlich und öffentliche Beschwerden darüber finden schnell Zustimmung.

Es gibt verschiedenste Gründe, warum das auftreten kann - nicht nur eine schlechte "Tagesform" beim Eignungstest. Sehr vereinfachend: Gute Leistungen in der Schule kommen mindestens vom Fleiss und den Fähigkeiten. Durch mehr Zeiteinsatz kann man einiges kompensieren. In der Testsituation ist die Zeit für alle gleich kurz und diese Kompensationsmöglichkeit durch mehr Zeitaufwand fällt weg. Die Schulbewertung hängt nicht nur von den Fähigkeiten ab. Sogenannte Overachiever werden dann von denen überholt, die in der Schule ihre wahren Fähigkeiten nicht umgesetzt haben oder umsetzen konnten (sogenannte Underachiever).

Einige Personen unterschätzen den Test und bereiten sich zu wenig vor, weil sie sich auf ihre guten Fähigkeiten verlassen. So verlieren sie beim Test Zeit, um noch herauszubekommen, was eigentlich zu tun ist[1]. Wieder andere kommen mit der Belastungssituation des EMS nicht zurecht - sie ist aber gewollt, weil auch Medizinalberufe dann hohe Ansprüche an die Belastbarkeit stellen.

Chancengleichheit für die Zulassung wichtig

Wenn der Zugang zum Studium beschränkt werden muss, dann sollen diejenigen bevorzugt eine Chance erhalten, die das Studium mit höherer Wahrscheinlichkeit in angemessener Zeit und mit guten Ergebnissen abschliessen. Das ist die "Philosophie" eines NC, nur dann ist er fair. Nicht alle Abgelehnten sind für ein Studium ungeeignet (siehe auch dieser Beitrag) - man muss sich aber, wenn es einen fairen Wettbewerb um die Studienplätze geben soll, auf gleiche Bedingungen für alle einigen und dann die Besten nach diesen Regeln zulassen. Ansonsten sind die Zulassungsentscheide auch rechtlich nicht haltbar.

In einer grossen Metaanalyse entsprechender wissenschaftlicher Studien[2] konnte nachgewiesen werden, dass Maturanoten die höchste Prognosekraft für Studienerfolg haben - aber eben nur als Korrelation, quasi im Mittel. Wie sähe es aus, wenn nach der Höhe des Maturadurchschnittes zugelassen würde?

Maturanoten aktuell für eine Zulassung ungeeignet

Wollte man die Maturanote für die Zulassung verwenden, müsste man den numerischen Maturitätsdurchschnitt nehmen.

  • Der numerisch gleiche Durchschnitt bedeutet nicht das Gleiche, ist nicht chancengleich. Kantonsunterschiede, insbesondere bei der Skalierung und Strenge der Notengebung wirken sich aus.
  • Auch die unterschiedlichen Maturitätsquoten in den Kantonen sind zu berücksichtigen (2014 zwischen 15% und 30%).
  • Unterschiedliche Bildungswege (Mittelschule oder dritter Bildungsweg) können ebenfalls nicht immer die gleichen Massstäbe anlegen.[3].

So kann eine 6.0 in einem Kanton/für einen Bildungsweg durchaus einer 5.8 (oder tiefer) anderswo entsprechen. Wenn man dies (wie z.B. in Deutschland auf der Ebene der Bundesländer) statistisch korrigieren sprich nivellieren wollte, scheitert dies auch an der grösseren Zahl der Kantone (auch mit grösseren Unterschieden) und den kleineren Personenzahlen in der Schweiz.

Zweitens könnte bei einer (auch) subjektiven Notenvergabe durch die Lehrpersonen nicht ausgeschlossen werden, dass eine zulassungsentscheidende Rolle berücksichtigt würde. Vermutlich würde der Kantönligeist da mit hineinspielen - wir denken an die Zeiten, wo festgestellte Kantonsunterschiede beim EMS zu heftigsten Diskussionen hinsichtlich möglicher Benachteiligungen führten. Noch streuen die Maturitätsdurchschnitte in der Schweiz deutlich. In Deutschland, wo der NC seit Jahren auch auf Basis der Abiturnoten beruht, sind für Medizin 1.0 bis 1.2 die Regel in dieser Quote. In der Schweiz wäre viel Reserve für einen "interkantonalen Inflationswettbewerb" zu 6.0 hin.

Schliesslich könnte auch die Wahl des Maturitätsschwerpunktes mehr aus strategischen Gründen erfolgen: Man wählt sich einen, wo vergleichsweise einfacher gute Noten zu erzielen sind. Mathematik/Physik oder Biologie/Chemie, welche als naturwissenschaftliche Grundlagen essentiell für ein Medizinstudium sind, werden dann ggf. weniger häufig gewählt - nur um höhere Zulassungschancen zu haben. Es ist bekannt, dass das unterschiedliche Ausgangsniveau in naturwissenschaftlichen Fächern an allen Universitäten beklagt wird und einige daher separate Wissensprüfungen im Zulassungsverfahren vorschlagen.

Es gibt zwei Voraussetzungen für die Verwendung von Maturitätsnoten: (1) Vereinheitlichung der Anforderungen (auch die Lehrinhalte sind ja nicht identisch) sowie (2) Vereinheitlichung und Bewertungs-Massstäbe und Objektivierung der Bewertung selbst, etwa durch die Einführung einer Zentralmaturität. Hier kann nur langfristig etwas an dieser Situation geändert werden, um zumindest eine Mitberücksichtigung bei der Zulassung zu erlauben.

EMS praktisch so gut wie Maturitätsnoten ohne deren Nachteile

In den erwähnten Metaanalysen wird zum Glück auch deutlich, dass fachspezifische Studierfähigkeitstests (wie der EMS) im Prinzip die gleiche Prognosegüte wie Maturanoten erhalten (Abbildung rechts). Ihr grosser Unterschied ist die Objektivität bzw. Vergleichbarkeit zwischen den Personen. Alle Personen haben exakt die gleichen Bedingungen. Man beachte übrigens auch die niedrige Prognosekraft von Interviews, die wird oft überschätzt.

Mit dem EMS steht ein objektives Verfahren mit hoher Prognosekraft zur Verfügung, wo alle Personen die gleiche Chance auf einen Studienplatz haben. Dennoch bleibt die Maturität die wichtigste Voraussetzung für das Studium, aber sie vermag es nicht, die Probleme der Zulassung zu lösen.

Empirische Studie der ETH

Die ETH hat 2008 eine Studie durchgeführt, welche diese Zusammenhänge bestätigte. Statistisch geeignet, Gerechtigkeit im Einzelfall ist eher nicht gegeben.

  • "Es besteht ein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Gesamtdurchschnitt der Maturanoten und der Note bei der Basisprüfung. Das heisst, je besser die Leistung in der Schule, desto besser die durchschnittliche Note bei der Basisprüfung".
  • "Bei einer Analyse der durchschnittlichen Basisprüfungsnoten der Studierenden nach deren Kantonszugehörigkeit wird ersichtlich, dass zwischen den Kantonen und insbesondere zwischen den einzelnen Schulen, Unterschiede bestehen. KDH 09:09, 23. Okt. 2014 (CEST)


Metaanalyse Studienerfolg und Prognose - Zum Vergrössern anklicken


Maturanoten haben eine hohe Prognosekraft für Studienerfolg, sind bisher nicht ausreichend vergleichbar zwischen Personen und daher als Zulassungskriterium ungeeignet. Ergebnisse von Studierfähigkeitstests als Zulassungskriterium sind vergleichbarer, dadurch fairer und haben praktisch die gleiche Prognosekraft für Erfolg.
Presseecho zum Thema

Fussnoten


  1. Man beachte den Unterschied zwischen Vorbereitung, um das optimale Leistungsniveau zu erreichen und den "Trainingsversprechen" bestimmter Anbieter
  2. Benedikt Hell, Sabrina Trapmann & Heinz Schuler Eine Metaanalyse der Validität von fachspezifischen Studierfähigkeitstests im deutschsprachigen Raum
  3. Die Maturitätsausbildung stützt sich in der Schweiz auf den gesamtschweizerischen Rahmenlehrplan der EDK von 1994, der grundlagenfachorientiert ist, aber nur sehr allgemeine Vorgaben gibt. So existieren in einigen Kantonen auch Gymnasien, die von den eidgenössischen Standards abweichen und trotzdem mit der Matura abgeschlossen werden können. Selbst wenn ein einheitlicher kantonaler Lehrplan existiert, bedeutet dies nicht, dass die Ausbildung in einem Kanton homogen ist. Private Gymnasien müssen sich nicht an den kantonalen Lehrplan und auch nicht an Promotionsentscheide der öffentlichen Gymnasien halten. Die Folge davon kann sein, dass GymnasiastInnen, die an einer öffentlichen Schule nicht ins nächste Schuljahr promoviert wurden und an ein privates Gymnasium wechseln, zum Teil nachweisbar dort ohne Repetition den Ausbildungsgang fortsetzen.

Die Schweizer Medizin, die AusländerInnen und der Ärztebedarf

Die Angst vor "Überfremdung" macht auch nicht vor dem Medizinalbereich halt. Ob und wie weit die Schweiz ihre eigene Identität schützen soll und muss, möge in der politischen Diskussion ausführlich erörtert werden. Dabei sollte aber mit wahren Fakten argumentiert werden, Ausländer "stehlen" den Schweizern weder Studienplätze, noch haben Schweizer schlechtere Chancen auf einen Arztberuf als anderswo:

Wir bilden praktisch nur Schweizer aus

NICHT RICHTIG ist, dass die Medizin-Ausbildungsplätze in der Schweiz durch Personen aus dem Ausland "blockiert" werden. Die Schweiz hat Zulassungsregeln zum Medizin-Studium, welche den Zugang ausländischer Studierender ohne Bezug zur Schweiz erschweren bis verunmöglichen (u.a. eigene Niederlassung oder die der Eltern, "schweizerische Verheiratung", 5 Jahre Wohnsitz und Arbeitsbewilligung). Die nebenstehende Grafik zeigt, dass wirklich vor allem Schweizerinnen und Schweizer an den hiesigen Universitäten Medizin studieren - besonders in den Universitäten mit NC[1]. Es sind rund 1.5% "echte" Ausländer und 5% Ausländer mit Schweizer Maturität - das sollten vor allem Niedergelassene (bzw. deren Kinder) sein.

Schweizer haben beste Chancen, Arzt zu werden

Kleinere Länder mit der gleichen Sprache grosser Nachbarländer in der EU (z.B. Belgien oder Österreich) haben es wesentlich schwerer. Weil es überall einen NC gibt, nutzen "NC-Flüchtlinge" die kleineren Länder als zweite Chance. Österreich sah sich zu einer Quotenregelung gezwungen (20% der Plätze für EU-Bürger, 5% für Nicht-EU-Bürger), die von der EU aber nur zeitweise "geduldet" wird und immer wieder vor der Abschaffung steht.

Der NC ist in der Schweiz mit 4 Bewerbungen auf einen Studienplatz nicht strenger als anderswo – in Deutschland sind es 5 bzw. 12 (Winter-/Sommersemester), in Österreich 6. Alle europäischen Länder mussten den Zugang zum Medizinstudium beschränken. Für Schweizer ist es leichter als in vielen Ländern, Arzt zu werden.

Weiterbildung ist international!

Letztlich wird die "Ausländerfrage" der Medizin erst ab der Ebene der Weiterbildung relevant. Für viele ausländische Ärzte ist die Schweiz eine interessante Erfahrung im Rahmen ihrer Facharztausbildung, wo man bekanntlich einige Stationen "rotierend" durchlaufen muss. Hier müsste man untersuchen, ob diese Personen überhaupt die Absicht haben, dauerhaft hierzubleiben - und wie viele Schweizer im Gegenzug für ihre Fachausbildung oder danach gern auch einige Zeit ins Ausland gehen. Im November 2012 ermittelte das BAG in einer Studie, dass 200 Schweizer Ärzte jährlich ins Ausland auswandern - auch nicht alle für immer, sondern ebenfalls befristet.[2]. Die Internationalisierung macht vor den Biografien der Ärzte nicht halt. Auch für die Medizin als Wissenschaft gilt:

Die Universität ist seit ihrer Gründung im Mittelalter idealtypisch eine akademische Republik ohne geografische Grenzen. Ihre Grenzen sollten die Grenzen der Vernunft sein; und ihr Eintrittspass sind akademische Diplome und für die Lehrenden darüber hinaus wissenschaftliche wie didaktische Kompetenzen[3].

Bei den 40% der Assistenzärzte mit ausländischer Nationalität, die in Schweizer Spitälern arbeiten[4] wurde auch ein Teil in der Schweiz ausgebildet (alle Niedergelassenen, die zum Studium zugangsberechtig sind) - was in den Statistiken leider nicht unterschieden wird. Der "effektive Import" ist mit Sicherheit also geringer.

Die Planung müsste folglich mit "Nettobilanzen Zuzug aus dem Ausland und Abwanderung von Schweizern" rechnen - und dabei noch berücksichtigen, dass irgendwann die einen zurückkommen und die anderen wieder gehen können.

Wieviele Ärzte brauchen wir, wieviele müssen wir selbst ausbilden?

RICHTIG ist, dass man die Ausbildungskapazitäten auch am Bedarf ausrichten muss - dabei den demografischen Wandel berücksichtigt und rechtzeitig genügend Jüngere ausbildet, die aus dem Berufsleben ausscheidende Ältere ersetzen. Einige Argumentationen dabei sollte man aber sehr genau prüfen:

  • Ist aktuell wirklich ein Ärztemangel vorhanden, wenn die Schweiz 24% mehr berufstätige Ärzte pro Einwohner hat als der Durchschnitt der Industrieländer[5]
  • Gibt es ein "Strukturproblem", indem Hausärzte oder Psychiater einfach schlechter bezahlt werden als Spezialärzte und jeder Absolvent sich nach der doch aufwändigen Ausbildung fragt, ob er sich dies antun soll? Müsste man hier die finanziellen Anreize ändern?
  • Fallen die Ursachen, dass ausländische Ärzte gern in die Schweiz kommen, durch mehr Ausbildung von Schweizern wirklich weg? Die gute Bezahlung, die guten Arbeitsbedingungen werden bleiben? Entweder man "verelendet" den Arztberuf oder kann Restriktionen für Ausländer einführen, die in Medizinalberufen arbeiten wollen. Ob "Schweizer zuerst" aber angesichts der komplizierten Beziehungen mit der EU haltbar ist? Wenn das Gesundheitswesen ein "Angebotsmarkt" bleibt und die Anbieter selber bestimmen, wie viel Medizin konsumiert wird (durch mehr Tests, mehr Operationen usw.), wäre ein Überangebot für uns alle kontraproduktiv.

Die Medizin ist ein "System", wo Angebot und Nachfrage, tatsächlicher Bedarf und Ausbildungs-Kapazität, Abwanderung von Schweizern und Zustrom von Ausländern, Förderung oder Hemmung durch entsprechende finanzielle Anreize, "Selbstregulation" und gesellschaftliche Kontrolle so komplex ineinandergreifen, dass man nicht beliebig an einem einzigen Schräubchen drehen sollte. Vielleicht kann man dies national auf sich alleingestellt gar nicht mehr planen. Es braucht eine Strategie.

Mit dem Numerus clausus hat diese Frage aber nichts zu tun: Jede realistische Kapazitätserhöhung wird nicht ausreichen, alle Interessenten zuzulassen. Der Numerus clausus ist nur ein Steuerungsinstrument, die vorhandenen Kapazitäten vom ersten Tag an effektiv einzusetzen und die Studienqualität zu erhalten. Alle Zugelassenen haben eine wirkliche Chance auf einen Abschluss - niemand muss nach 1-2 Jahren "herausgeprüft" werden, nur weil die Klinikkapazitäten nicht für alle reichen.-- KDH 15:02, 4. Mai 2013 (CEST)

Anteil Schweiz-Ausland für Universitäten - Zum Vergrössern anklicken


Die Medizin-Studienplätze der Schweiz stehen Schweizerinnen und Schweizern zur Verfügung

Presseecho zum Thema

Fussnoten


  1. Mehr Details siehe Bericht 18 des ZTD S. 11 ff. In Genf gelten zusätzlich besondere Regelungen (Rücksicht auf Kinder der dort lebenden Diplomaten). Dass der Ausländeranteil bei Doktoratsstudien zumindest etwas höher ist, sollte im Interesse der internationalen Vernetzung sogar ausgebaut werden, denn viele Schweizerinnen und Schweizer verlassen im Rahmen von Austauschprogrammen dann auch die Schweiz und lernen im Ausland Neues
  2. http://www.nzz.ch/aktuell/schweiz/200-schweizer-aerzte-wandern-jaehrlich-ins-ausland-aus-1.17761058 200 Schweizer Ärzte wandern jährlich ins Ausland aus NZZ vom 5.11.2013]
  3. Meinrad Perrez in Neue Zürcher Zeitung vom 28.10.2010, Seite 22
  4. Krankenhausstatistik 2011 – Standardtabellen BFS Aktuell Tabelle B3
  5. Zahlen zum Gesundheitswesen siehe Artikel aus Infosperber


Berufseignung und Studieneignung

Update am 4.3.14: Wollen wir nicht lieber diplomierte Ärzte? Sind fachliche und soziale Kompetenzen Gegensätze? Schweizerische Ärztezeitung 6 2014

Der EMS-Test wurde aufgrund aufwändiger Anforderungsanalysen und diverser Erprobungen hinsichtlich der Vorhersage des Studienerfolges im Medizinstudium entwickelt - das sagt er bestmöglich voraus. Sicher wissen wir heute nur, was Studieneignung ist (die sich mit den Studienanforderungen ändert - daraufhin auch immer angepasst wird) - die Berufseignung (der gute Arzt, die gute Ärztin) sind
  • von der Gesetzeslage her als Grundlage für die Studienzulassung problematisch. Die kantonalen Gesetzgebungen für die Studienzulassung fordern die Berücksichtigung der "Eignung" für ein Studium[1]. Berufseigungsmerkmale, die über eine Studieneignung hinausgehen, wären vom Gesetz her nicht gedeckt.
  • noch nicht ausreichend definiert (siehe Zusammenfassung der Themengruppe hier);
  • sehr wahrscheinlich nicht homogen, also unterschiedlich für die verschiedenen Teilgebieten der Medizin (Chirurgie, Psychiatrie, Hausarzt, Forscher...);
  • selbst ein Ziel der Ausbildung im Medizinstudium (und man kann allenfalls die Voraussetzungen bestimmen) - niemand wird die "Arztpersönlichkeit" schon vor dem Studium sein;
  • methodisch über Fähigkeiten hinaus nur durch Beurteilung zu erfassen. Eine Selbstbeurteilung ist aber anfällig für Verfälschung hinsichtlich sozialer Erwünschtheit, Fremdbeurteilung wird (z.B. als Interview) nur die bekannt niedrigen Prognosewerte für Studien-Erfolg erreichen. Beides ist für Massentests nicht geeignet;
  • auch historisch gesehen der Studieneignung nachgeordnet. Vor dem NC fielen 50% durch die Prüfungen und man wollte vor allem mehr Absolventen, die das Studium schaffen. Die beste "Arztpersönlichkeit" nützt nichts, wenn man durch die Prüfungen fällt;
  • bezüglich der Unterschiede zur Studieneignung genauer zu bestimmen. Wenn Medizin naturwissenschaftlich-technisch anspruchsvoll bleibt und diese Fähigkeiten die Studieneignung bestimmen, wird Studieneignung eine wichtige Komponente der Berufseignung sein und bleiben.

Bezüglich der Sozialkompetenz (oft als Kern der Berufseignung gesehen) ist die Suche nach einem verfälschungssicheren Paradigma mit Eignung für den Zulassungstest beständig und erfolglos weiter erfolgt: Die „ Situational Judgement Tests“ (SJT) erfüllten die Hoffnungen nicht. Eine Darbietung auf Papier hat in Belgien keine ausreichende Vorhersage für kognitive oder soziale Studienerfolgskriterien erlaubt; eine Darbietung per Video wäre aussichtsreicher, ist aber aufgrund des Aufwandes und der technischen Voraussetzungen nicht realistisch.

Interviews, die hier gern empfohlen werden, haben in wissenschaftlichen Studien nur eine sehr geringe Prognosekraft für Erfolg. Gute Interviews in der Eignungsdiagnostik erfordern ein intensives Training der Interviewer (vor allem zwecks Übereinstimmung der Beurteilungen), eine Standardisierung der Abläufe, eine ausreichende Zeitdauer, mindestens zwei, besser drei Interviewer. Ohne eine Vorauswahl der Kandidaten ist das auch nicht praktikabel - für alle ist dies kaum bezahlbar. Und man muss abwägen, ob man seine Seele beruhigen möchte (das sind ja Experten, welche die Interviews machen) oder den schlechten Bewährungsdaten traut.

Praktika, auch als Pflichtpraktika, sind für eine Auseinandersetzung mit dem Beruf sehr sinnvoll. Auch dies erfordert aber Betreuungskapazitäten, wenn man wirklich einen Einblick geben will und nicht nur der Dissuasionsaspekt durch Konfrontierung mit den unangenehmeren Seiten ärztlicher oder genauer pflegerischer Tätigkeit im Vordergrund steht. In Zürich sollten vor Einführung des NC Sozialpraktika verlangt werden. Dies scheiterte vor allem an den fehlenden Betreuungskapazitäten. Zeitweise bestand die Vorstellung, aufgrund der Praktikumsbeurteilungen auch die Zulassung vorzunehmen. Das wurde aber als zu subjektiv verworfen.

Eine Lösung sehen wir in Self Assessments an, wo die Willigen bei einer ehrlichen Selbsteinschätzung neben der Eignung auch etwas über ihre Neigung zum Medizinstudium und -beruf erfahren (Persönlichkeit, Interessenlage, Wissen über Medizinstudium und –Beruf). Das funktioniert aber leider nur, wenn man ehrlich antwortet und die Schlüsse daraus selber zieht.-- KDH 15:02, 4. Mai 2013 (CEST)

SAMEDSelf-Assessment Medizinstudium - Zum Vergrössern anklicken
SAZAMEDder Universität Basel für Zahnmedizin (manuelle Fähigkeiten) - Zum Vergrössern anklicken
Was-studiere-ichder FHNW für die allgemeine Studienwahl - Zum Vergrössern anklicken

Berufseignung ist für eine Zulassung zum Medizinstudium inhaltlich noch zu undefiniert und methodisch durch Angewiesensein auf Beurteilung mit der Tendenz zu erwünschter Darstellung problematisch

Fussnoten


  1. BASEL: Verordnung über Zulassungsbeschränkungen zum Medizinstudium vom 24. März 1998 § 4 Wer sich zum Studium der Human-, Zahn- oder Veterinärmedizin vorangemeldet hat, hat sich, unter der Voraussetzung der Einführung von Zulassungsbeschränkungen, einem Test zu unterziehen, welcher der Abklärung der Eignung für ein solches Studium dient; BERN: Verordnung über Zulassungsbeschränkungen zum Medizinstudium vom 19. Juni 1996 Art. 4: Wer sich zum Studium der Human-, Zahn- oder Veterinärmedizin vorangemeldet hat, hat sich, unter der Voraussetzung der Einführung von Zulassungsbeschränkungen, einem Test zu unterziehen, welcher der Abklärung der Eignung für ein solches Studium dient. FRIBOURG: Gesetz über die Universität vom 19.11.1997 Art. 24. Zulassung: 3 Der Staatsrat kann eine solche Massnahme von Jahr zu Jahr treffen und das Vorgehen für die Auswahl unter den Studienanwärtern unter Berücksichtigung der interuniversitären Koordination festlegen; in jedem Fall hört er die Universität an. Bei der Auswahl wird die Eignung der Studienanwärter zum Studium in den betreffenden Fächern berücksichtigt. ZÜRICH: Verordnung über die Zulassungsbeschränkungen zum Medizinstudium vom 27. Mai 1998 Artikel 4 (Eignungstest): Wer sich zum Studium der Human-, Zahn- oder Veterinärmedizin vorangemeldet hat, hat sich einem Test zu unterziehen, welcher der Abklärung der Eignung für ein solches Studium dient.

Knappe Ausbildungsressourcen auch optimal bewirtschaften

Ist es wirklich so einfach: Mehr Ärztinnen und Ärzte = Abschaffung des Numerus clausus? Neben der "Stellschraube" der Zulassung gibt es noch eine zweite wichtige: wie viele der Zugelassenen schliessen das Studium erfolgreich ab?

Was eine Zulassung ohne Numerus clausus bei stetig steigenden BewerberInnenzahlen in der Schweiz im Fach Medizin bewirkt, ist bestens bekannt: In der Westschweiz (Genf, Lausanne, Neuenburg) gibt es keinen NC – die steigenden Zahlen der letzten Jahre führen dort aber nicht zu mehr Absolvent/innen, sondern zu mehr Abbrüchen des Studiums. Abbrüche müssen sogar „gefördert“ werden: Um das Studium dort mit ausreichender Qualität anbieten zu können, erfolgen verschärfte Prüfungen nach dem ersten Jahr, die wie ein versteckter Numerus clausus wirken müssen. Man muss aber wissen, dass hinter jedem Abbruch in der Regel 2 mindestens vergeudete Semester stehen (mit Repetitionen ggf. mehr) – vergeudet für die Studierenden und die Universitäten hinsichtlich der Betreuungskapazität.

In den am NC beteiligten Universitäten Basel, Bern, Freiburg und Zürich war man seit der Einführung von Zulassungsbeschränkung in der Lage, durch verbesserte Betreuungsverhältnisse Studienreformen so durchzuführen, dass die Bestehensquoten für die Vorprüfungen deutlich angestiegen sind. Heute ist für die Universitäten mit NC eine Quote um 80% Realität (die Prognose der OBSAN-Studie rechnet mit 60%). In Basel und Bern studieren sogar über 90% der Anfänger/innen noch nach der 2. Vorprüfung. Auch in Genf wurden Studienreformen durchgeführt, welche sicher nicht ohne positiven Einfluss auf die Studienqualität geblieben sind. An der Notwendigkeit der verschärften inneruniversitären Selektion nach dem ersten Jahr konnte diese Tatsache aber nichts ändern.

Die Gesamtstrategie zur Erhöhung der Zahl medizinischer Grundversorger/innen muss an den richtigen Stellschrauben ansetzen und vor allem die nötigen Ausbildungskapazitäten schaffen (z.B. Klinik-kapazitäten), damit die Studierenden auch eine Chance haben, eine qualitativ ausreichende Ausbildung zu erhalten. Der NC ist dann ein Mittel der optimalen „Bewirtschaftung“ der vorhandenen Studienplätze für das teure Studium der Medizin. Die optimale Strategie müsste daher drei Faktoren berücksichtigen:

  1. Festlegung des Bedarfs an Ärztinnen und Ärzten
  2. Schaffung der dafür notwendigen Ausbildungskapazitäten, vor allem Klinikkapazität
  3. Entsprechende Zulassung Geeigneter, um vorhandene Kapazitäten optimal auszunutzen

Zur Abbildung rechts: Vom Anfängerjahrgang [Jahreszahl unter jedem Balken] der jeweiligen Universität haben bis Zwischenstand 2008 [gesamter Balken] % der Personen die erste Vorprüfung bestanden sowie [unterer Teil des Balkens] % der Personen die zweite Vorprüfung bestanden.

  • Der Anfängerjahrgang 2007 umfasst nur das Bestehen der ersten Vorprüfung zum frühestmöglichen Zeitpunkt, keine Repetenten oder später zur Prüfung antretende Personen. 2. Vorprüfungen waren noch gar nicht möglich.
  • Im Anfängerjahrgang 2006 konnten nur Personen die zweite Vorprüfung bestehen, wenn sie die minimal mögliche Studienzeit einhielten. Mindestens für die letzten beiden Jahre werden sich die Prozentsätze daher noch erhöhen.
  • In den Universitäten ohne NC bestehen durch die steigende Nachfrage ohne Zulassungsbegrenzung immer mehr Personen die verschärften Prüfungen nach dem ersten Jahr nicht. Dies ist gewollt – zeigt aber auch, wie viel Ausbildungskapazität bzw. Lebenszeit der Studierenden nicht zielführend eingesetzt werden muss. Auch der Anteil der Personen, die die 2. Vorprüfung (noch) nicht bestanden haben, steigt für die letzten erfassten Jahrgänge. Dies deutet auf eine verlängerte Studienzeit hin.-- KDH 08:04, 29. Apr. 2013 (CEST)

Bedauerlicherweise wird diese Statistik nicht vom BfS weitergeführt. Ursache ist, dass Zwischenprüfungen nach neuem Medizinalberufegesetz nicht mehr dem BAG gemeldet werden, sondern nur noch die Abschlüsse. Als "Ersatz" dieser "kopfbezogenen" Analyse steht nur noch die Netto-Gegenüberstellung Studienanfänger (Zahlen der CRUS): Studienabschlüsse (Zahlen des BfS) zur Verfügung, die weiter oben dargestellt ist. Hier kann durch die Wechsel im System aber nur noch zwischen den beiden Pools NC: Nicht NC unterschieden werden, weil Neuenburg bzw. Freiburg Studienanfänger hat - diese aber ihr Studium an einer anderen Universität beenden.

Prüfungserfolg 1. und 2. Vorprüfung für Universitäten - Zum Vergrössern anklicken


Mit NC werden die knappen Ausbildungsressourcen besser bewirtschaftet, es gibt weniger Abbrecher. Realistisch ist, dass mit NC 80-85% der Studienanfänger nach dem 2. Jahr noch studieren.


Session 2014: Neuer Vorbereitungsreport

Da der letzte Vorbereitungsreport bereits 9 Jahre alt war[1], haben wir einen aktualisierten Vorbereitungsreport 2014 veröffentlicht, der nicht unerwartet die bekannten Tatsachen bestätigt. Es besteht kein wirklicher Grund zu Verunsicherung, dass der Besuch von professionellen Trainingsanbietern für eine Zulassung zwingend wäre. Der Vorfall 2014 bot unfreiwillig eine Möglichkeit, die Wirksamkeit von Trainings direkt "im Feld" und nicht nur mittels Fragebogendaten zu prüfen.

Die Essentials:

  • Keine "Inflation" der durchschnittlich erreichten Punktzahlen über die Jahre durch zunehmendes "Training" - der Test funktioniert immer noch gleich (siehe Abbildung rechts).
  • Vorbereiten="Trainieren" unbedingt (auch die offizielle Empfehlung umzusetzen ist anspruchsvoll) - man kann dies ebenso effektiv allein tun wie mittels Kursbesuch. Und man sollte dies tun.
  • Grenzen durch die Fähigkeiten als relativ stabile Merkmale einer Person sind weiter bedeutsam.
  • Speziell aufgrund der Aufgabenbekanntheit 2014 mögliche Analysen sind ernüchternd, was Trainingseffekte überhaupt angeht (sowohl bezüglich der Leistung in den 14 vorher bekannten Aufgaben selbst, als auch in den anderen Aufgaben für diejenigen Personen, welche in den 14 Aufgaben "unerwartet" besser sind als anderswo und daher am wahrscheinlichsten an einem Training teilgenommen haben).
Keine "Inflation" - Zum Vergrössern anklicken

Mittlere erreichte Punktwerte pendeln von Beginn des EMS an um 60%, es gibt keine Zeichen für eine Veränderung der Schwierigkeit des Tests über die Zeit.

Fussnoten


  1. Wir hatten 3 Jahre nacheinander die Vorbereitung untersucht und vergleichbare Befunde erhalten. Aus ökonomischen Gründen hatten wir zwar fortlaufend geprüft, ob sich etwas ändert (was nicht der Fall war), aber keine neuen Reports veröffentlicht. Das Thema wird ansonsten "überforscht"


WIKI-BLOG zum EMS

Hier werden Infos zum EMS mit BLOG-Charakter veröffentlicht, die über die offizielle EMS-Seite hinaus kommentierender und wertender, auch etwas polemischer sein können und ausschliesslich aus der Sicht des ZTD geschrieben sind. Sie müssen nicht der Meinung der verantwortlichen politischen Gremien entsprechen. It's a WIKI - das heisst, sie werden ggf. aktualisiert. Irrtümer bleiben daher ebenfalls vorbehalten. Wenn Sie Fragen oder Kommentare haben: Mail an ztdadmin (at) unifr.ch. Veröffentlicht unter Creative Commons Lizenz CC BY-SA 3.0, beachten Sie bitte das Impressum (unten).


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