Vorbereitungsreport

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Version vom 17. September 2014, 14:45 Uhr von Haensgen (Diskussion | Beiträge) (Was ist 2014 passiert?)

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Man muss sich vorbereiten - kann dies aber mit der offiziell empfohlenen Strategie ebenso gut

Von Beginn des EMS 1998 an existieren kommerzielle Trainingsanbieter, die gern den Eindruck erwecken, dass man nur erfolgreich sein kann, wenn man einen solchen Kurs besucht. Wir nennen dies - auch von Beginn an - ""Geschäft mit der Angst" und versuchen, hier über Fakten und Fiktionen aufzuklären. Indem die Zahl der Studienplätze trotz des Ausbaus mit dem Interesse an einem Medizinstudium nicht anähernd Schritt halten kann, wurden die Fragen immer relevanter, welche Vorbereitung notwendig, welche sinnvoll und welche eher kontraproduktiv ist.

In früheren Jahren wurde diese Frage deshalb ausführlich untersucht [1][2][3], die Frage anhand der in Deutschland vorliegenden Ergebnisse auch auf dem Symposium vor Einführung des EMS erörtert[4]. In keiner Untersuchung wurde eine Unterlegenheit der selbständigen Vorbereitung anhand des offiziellen Materials nachgewiesen - die gemeinsame (nichtkommerzielle) Vorbereitung schnitt dabei immer am besten ab. Man muss sich allerdings vorbereiten, um sich mit den Aufgaben vertraut zu machen, um sein Fähigkeitsniveau optimal umsetzen zu können. "Überschreiten" kann man es aber nicht wirklich.

Dieses "Geschäft mit der Angst" findet man allerdings bei nahezu allen bedeutenden Zulassungstests dieser Welt. Insbesondere, weil der EMS kein Wissenstest ist und "Pauken" wenig hilft, ist diese Aufklärung hier wichtig. Die eigentliche Grenze sind die relativ stabilen Fähigkeiten, die Möglichkeiten der Verbesserung derselben durch solche Kurse ist limitiert.

Es gibt mittlerweile auch eine Menge seröser Anbieter, die vor allem Probeläufe und eine Hilfe bei der Vorbereitung anhand des offiziellen Materials anbieten - und dies auch zu fairen finanzielle Bedingungen. Nicht immer ist die "Eigenmotivation" hoch genug, sich ausreichend vorzubreiten und professionelle Hilfe dabei kann sinnvoll sein. Die wichtige Botschaft ist und bleibt aber: Man kann es auch alleine ohne Hilfe von solchen Kursen tun.

Was ist 2014 passiert?

Vergleich der mittleren Aufgabenschwierigkeiten gewertete und nicht gewertete Aufgaben für Gruppen aufgrund Regression und Prozenträngen: Nur Unterschiede bei nicht gewerteten Aufgaben nachweisbar - Zum Vergrössern klicken

Die Nichtwertung der 14 Aufgaben 2014 hat auch eine Diskussion ausgelöst, ob der Besuch eines Trainingskurses sinnvoll oder gar notwendig ist, um zugelassen zu werden. Hier muss man sehr genau hinschauen, denn diese Botschaft wäre natürlich für die Vorbereitungsindustrie die ideale Werbung und die Situation wurde auch ausgenutzt, um diese Botschaft zu verbreiten. Da der Diebstahl von Aufgaben genau eingegrenzt werden konnte, werden diese Aufgaben nicht mehr für das Ersetzungsprogramm verwendet. Diese Quelle ist also versiegt.

Unfreiwillig lieferte die Analyse der Version 2014 allerdings auch einen sehr starken Beleg, dass das Trainig zumindest viel weniger wirksam ist als immer behauptet wurde:

  • Sogar bei vorher bekannten Aufgaben führen Trainingskurse nicht wirklich dazu, dass sich die „Trainierten“ deutlich von den anderen absetzen. Gesamthaft sind auch die Punktwerte der 14 vorher bekannten Aufgaben normalberteilt und die Zahl der Personen mit 14, 13 oder 12 Punkten entspricht der Erwartung. Nur durch eine Art "forensische Statistik" lässt sich mittels zweier Methoden jeweils eine keine Gruppe finden, die eher quantitative Vorteile in diesen 14 vorher bekannten Aufgaben hatte.
  • Nimmt man an, dass diese kleinen Gruppen mit Sicherheit an einem Training teilgenommen haben, zeigt sich für alle unbekannten Aufgaben kein nachweisbarer Effekt - dort sind die Ergebnisse tendenziell sogar schlechter. Dies bewies uns vor allem das Nichtvorhandensein von Zeitvorteilen für das Lösen der unbekannten Aufgaben durch die Bekanntheit einiger Aufgaben. Man kann das aber auch so weit interpretieren, dass das ganze Training keinen wirklichen Nutzen brachte und bei unbekannten Aufgaben keine irgendwelchen Vorteile entstehen.Hier entscheidet eben vor allem die Fähigkeit über die Lösungswahrsheinlichkeit. Diese Fähigkeit ist ein relativ stabiles Persönlichkeitsmerkmal, was man auch durch die Trainingskurse nicht so einfach ändern kann.

Die Analysen dazu sind hier dargestellt. Dass "Viel hilft viel" nicht für die aufgewendete Zeit gilt, wurde in den Vorbereitungsreports auch bestätigt. Möglicherweise sind die Kursteilnehmer durch die angebotene Menge in diesen Kursen auch so überfordert, dass sie sich die Aufgaben mit ihren Lösungen gar nicht merken können.

Ergebnisse der Befragung 2014

Stunden Vorbereitung 2014 - Zum Vergrössern klicken
Stunden Vorbereitung 2014 und Einfluss auf das Testergebnis - Zum Vergrössern klicken
Stunden Vorbereitung Selbststudium abhängig vom Maturitätsdurchschnitt - Zum Vergrössern klicken
Wirkung einiger Vorbereitungselemente auf das Testergebnis 2014 - Zum Vergrössern klicken
"Ideale" selbständige Vorbereitung versus professionelles Training - Zum Vergrössern klicken
geringere Trainierbarkeit des Konzentrationstests - Zum Vergrössern klicken


Auch 2014 erfolgte am Ende des Eignungstests eine Befragung. Die Teilnahme ist wie in jedem Jahr freiwillig, dennoch haben 3106 von 3173 Personen teilgenommen.

Wie viele Stunden bereitet man sich vor?

Die erste Tabelle zeigt, wie viele Stunden in den drei Kategorien "Selbständige Vorbereitung/Selbststudium", "gemeinsame Vorbereitung (aber nicht in kommerziellen Kursen)" sowie "Professionelle Vorbereitungskurse" angegeben worden sind. Bei den professionellen Kursen ist zu beachten, dass 160 Personen bis 10 Stunden enthalten sind. Wahrscheinlich werden auch Teilnahmen an Probeläufen hier mit gerechnet, die gegen Bezahlung erfolgte. Es ist auch so, dass Personen, die an kommerziuellen Kursen teilgenommen haben, zusätzliches Selbststudium angeben. Insgesamt ist die Vorbereitung intensiver geworden und man nutzt mehr Möglichkeiten. Es zeigt sich auch, dass vor allem die Zeit der selbständigen Vorbereitung und auch der Vorbereitung in Gruppen den deutlichsten Anstieg beim Testergebnis zeigen. Geringe Vorbereitungszeiten hier korrespondieren mit schlechteren Leistungen (Man muss sich vorbereiten). Der frühere Befund, dass irgendwann eine Sättigung durch die Vorbereitungsintensität entstanden ist, relativiert sich etwas. Das kann daran liegen, dass Personen mit sehr guten und guten Leistungen sich auch mehr vorbereiten, ein gewisser Druck entstanden ist, wirklich genug zu tun. Darauf deutet die Grafik hin, welche die selbständige Vorbereitungszeit abhängig vom Maturitätsdurchschnitt darstellt. Was allerdings wie früher geblieben ist: bei professionellen Trainingskursen gibt es diesen Zusammenhang zwischen Intensität und Leistung nicht.

Wie wirksam sind die einzelnen Vorbereitungselemente?

Es konnte angekreuzt werden, welche Vorbereitungselemente man genutzt hat. Durcharbeiten der Test Info, Teilnahme an einem Probelauf, Durcharbeiten der Originalversionen zeigen signifikante Unterschiede im Kontrast zwischen Personen, die dies getan und nicht getan haben. Auch der Austausch zwischen Personen, die den Test bereits gemacht haben, zeigt Unterschiede. Erwartungsgemäss bringt die Wiederholung schulischen Wissens keinen signifikanten Unterschied.

Ist die empfohlene Vorbereitung einem professionellen "Training" gleichwertig?

Um hier die Konfundierungen durch mehrere Trainingselemente auszuschliessen, wurde erine "Idealgruppe" definiert, die sich genauso vorbereitet hat, wie empfohlen:

  • Testinfo durchgearbeitet
  • An einem Probelauf teulgenoimmen
  • Eine oder beide Originalversionen durchgearbeitet
  • Keine Teilnahme an einem professionell organisierten Kurs
  • Für Selbststudium mindestens 20 Stunden aufgewendet.

Dieser "Idealgruppe" wurden nun drei Gruppen gegenübergestellt, die ein Professionelles Training absolviert haben

  • einmal nur die Angabe einer Teilnahme
  • einmal mit mehr als 20 Stunden Teilnahme
  • einmal mit mindestens 500 Franken Kosten.

Keine dieser drei Vergleiche zeigt Vorteile der professionellen Trainingsgruppe - im Gegenteil ist der erreichte mittlere Prozentrang der "Idealgruppe" höher.

Man könnte einwenden, dass es Unterschiede bei der Auswahl der Vorbereitungsmassnahmen gibt - etwa dass die Leistungsbesseren oder die Leistungsschlechteren jeweils professionelle Kurse präferieren. Dem ist nicht so, es besteht kein signifikanter Unterschied bezüglich des mittleren Maturitätsdurchschnittes[5]: 4.89 für die "Idealgruppe" vs. 4.97 für die drei Auswahlen für professionelles Training.

Bringt exzessives Üben bei "Konzentriertes und sorgfältiges Arbeiten" etwas?

Bekanntlich wechseln Anforderung und Zeichen dieser Aufgabengruppe jedes Jahr. Seitdem dies so ist, entsprechen die Verteilungen einer Normalverteilung, sind keine linksschiefen Verteilungen mehr vorhanden. Die Übungsdurchgänge mit Material aus dem Vorjahr zeigen einen sehr geringen Einfluss.

Was bleibt

Es bleiben drei Dinge gültig:

  • Man muss sich vorbereiten, sich mit den Aufgabentypen vertraut machen und darf während des Tests keine Zeit verlieren, die Instruktionen zu lesen oder die Anforderungen zu verstehen. Personen mit sehr geringer Vorbereitungszeit errechen auch niedrigere Ergebnisse - haben den Test vielleicht nicht ernst genug genommen, sind nicht motiviert o.ä.
  • Man kann durch selbständige Vorbereitung mit den öffentlich zugänglichen Vorbereitungsmaterialien (oder noch besser gemeinsame Vorbereitung in Gruppen) genauso erfolgreich sein, wie durch den Besuch kommerzieller Vorbereitungskurse. Natürlich ist ein solcher Kursbesuch auch motivierend, weil Impulse "von aussen" gesetzt werden. Einige Anbieter betonen genau diesen Aspekt der Gemeinsamkeit und der Vorgabe, was man bis wann tun sollte und bekämpfen so gemeinsam mit den Teilnehmern den "inneren Schweinehund". Dabei werden auch moderne medien genutzt - und häufig sogar die "offiziellen" veröffentlichten Originalversionen. Dies ist auch nicht immer teuer. Dagegen ist nichts einzuwenden, solange man nicht NUR durch diese Kursbesuche einen Vorteil erzielen kann.
  • Die empfohlene Vorbereitung ist ebenso effektiv wie der Besuch professioneller Trainingskurse.

Einzelnachweise und Fussnoten

  1. Vorbereitungsreport 2005 * Vorbereitung auf den EMS – was und wie viel ist richtig?
  2. Vorbereitungsreport 2004
  3. Vorbereitungsreport 2003
  4. Die Trainierbarkeit von Testleistungen im Zusammenhang mit einem Eignungstest für das Medizinstudium in der Schweiz Rainer Hofer & Klaus-Dieter Hänsgen S. 82 ff Bericht 3 des ZTD 1996
  5. Die Maturitätsdurchschnittsnote ist statistisch gesehen eine gute Schätzung für die Studieneignung, schneidet in entsprechenden Metaanalysen praktisch genauso gut ab wie das Ergebnis fachspezifischer Studierfähigkeistests. Das Problem der eingeschränkten Vergleichbarkeit der Ergebnisse im Einzelfall fällt bei statistischen Analysen weniger ins Gewicht