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Maturanoten als Zulassungskriterium für das Medizinstudium?

Wenn jemand einen exzellenten Maturaabschluss gemacht hat, dann aber aufgrund des EMS-Testergebnisses nicht zum Wunschstudium Medizin zugelassen wird, ist das ärgerlich und öffentliche Beschwerden darüber finden Zustimmung. Es gibt verschiedenste Gründe, warum das auftreten kann - nicht nur eine schlechte "Tagesform" beim Eignungstest. Einige Personen unterschätzen den Test und bereiten sich wenig vor, weil sie sich auf ihre guten Fähigkeiten verlassen. So verlieren sie beim Test Zeit, um herauszubekommen, was zu tun ist[1]. Andere kommen mit der Belastungssituation des EMS nicht zurecht - sie ist gewollt, weil auch Medizinalberufe hier hohe Ansprüche stellen. Wieder andere sind vielleicht besser bewertet worden als es dem Fähigkeitsniveau entspricht (sogenannte Overachiever). Sie werden dann von denen überholt, die in der Schule ihre wahren Fähigkeiten nicht umgesetzt haben oder umsetzen konnten (sogenannte Underachiever).

Wenn der Zugang zum Studium beschränkt werden muss, dann sollen diejenigen bevorzugt eine Chance erhalten, die das Studium mit höherer Wahrscheinlichkeit in angemessener Zeit und mit guten Ergebnissen abschliessen. In einer grossen Metaanalyse entsprechender wissenschaftlicher Studien[2] konnte nachgewiesen werden, dass Maturanoten die höchste Prognosekraft für Studienerfolg haben - aber eben nur als Korrelation, quasi im Mittel.

Wie sähe es aus, wenn einfach nach der Höhe des Maturadurchschnittes zugelassen würde?

Erstens bedeutet der numerisch gleiche Durchschnitt nicht das Gleiche. Kantonsunterschiede, insbesondere bei der Skalierung und Strenge der Notengebung wirken sich aus. Auch die unterschiedlichen Maturitätsquoten in den Kantonen sind zu berücksichtigen. Unterschiedliche Bildungswege (Mittelschule oder dritter Bildungsweg) können ebenfalls nicht immer die gleichen Massstäbe anlegen. So kann eine 6.0 in einem Kanton durchaus einer 5.8 (oder tiefer) in einem anderen Kanton entsprechen. Wenn man dies (wie z.B. in Deutschland auf der Ebene der Bundesländer) statistisch korrigieren sprich nivellieren wollte, scheitert dies an der Zahl der Kantone.

Zweitens könnte bei einer (auch) subjektiven Notenvergabe durch die Lehrpersonen nicht ausgeschlossen werden, dass eine zulassungsentscheidende Rolle irgendwo doch berücksichtigt würde. Vermutlich würde der Kantönligeist da mit hineinspielen - wir denken da noch an die Zeiten, wo festgestellte Kantonsunterschiede beim EMS zu heftigsten Diskussionen hinsichtlich möglicher Benachteiligungen führten.

Vereinheitlichung der Anforderungen (auch die Lehrinhalte sind ja nicht identisch) und Bewertungs-Masstäbe, etwa durch die Einführung einer Zentralmaturität könnten nur langfristig etwas an dieser Situation ändern und zumindest eine Mitberücksichtigung bei der Zulassung erlauben.

In den erwähnten Metaanalysen wird zum Glück auch deutlich, dass fachspezifische Studierfähigkeitstests (wie der EMS) im Prinzip die gleiche Prognosegüte wie Maturanoten erhalten. Ihr grosser Unterschied ist die Objektivität bzw. Vergleichbarkeit zwischen den Personen. Alle Personen haben exakt die gleichen Bedingungen.

Mit dem EMS steht ein objektives Verfahren mit hoher Prognosekraft zur Verfügung, wo alle Personen die gleiche Chance auf einen Studienplatz haben. Dennoch bleibt die Maturität die wichtigste Voraussetzung für das Studium, aber sie vermag es nicht, die Probleme der Zulassung zu lösen.


Metaanalyse Studienerfolg und Prognose - Zum Vergrössern klicken


Maturanoten haben eine hohe Prognosekraft für Studienerfolg, sind bisher nicht ausreichend vergleichbar zwischen Personen als Zulassungskriterium. Studierfähigkeitstests sind vergleichbar und haben fast die gleiche Prognosekraft.

D

  1. Man beachte den Unterschied zwischen Vorbereitung, um das optimale Leistungsniveau zu erreichen und den "Trainingsversprechen" bestimmter Anbieter
  2. Benedikt Hell, Sabrina Trapmann & Heinz Schuler Eine Metaanalyse der Validität von fachspezifischen Studierfähigkeitstests im deutschsprachigen Raum