Wikipedistik
Wikipedistik - das Wikipedia-Forschungsportal
Wikipedistik wird die wissenschaftliche Begleitforschung zur WIKIPEDIA genannt.
Aus dem am 15. Januar 2001 gestarteten Projekt ist heute das Medium für "Welt-Wissensvermittlung" schlechthin geworden, umfasst sie doch Anfang 2015 33 Millionen Artikel in 280 Sprachen. Es ist nicht nur die grösste, sondern mit 20 Milliarden Aufrufen pro Monat die meistgelesene Enzyklopädie der Menschheitsgeschichte. [1]. Die Brockhaus-Enzyklopädie wurde zur Aufgabe "getrieben" [2], auch die Encyclopædia Britannica verzichtet seit 2012 auf gedruckte Fassungen. [3]
Warum ist WP so erfolgreich? Es ist ein Freiwilligenprojekt, [4]Rund 6000 Autoren haben über 2000 Beiträge (Edits) geleistet, mindestens 200 Artikel werden täglich neu erstellt, mit den "Gelegenheitsautoren" (über 10 Beiträge) arbeiten rund 150'000 Personen aktuell mit [5]. Inwieweit das sinnstiftende Moment, Wikipedia als soziales Netzwerk oder hedonistische Motive dafür verantwortlich sind, ist bereits eine wichtige Fragestellung der Wikipedistik.
Die Chancen sind wie oft zugleich die Risiken: Sind die Autoren auch Experten für ihr Gebiet, werden bestimmte Ansichten ("POV") durch bestimmte Autoren überrepräsentiert dargestellt und andere Standpunkte unterdrückt? Oder stellen sich Personen oder Firmen (meist selbst) viel zu gut bzw. bedeutend dar? Relevanz und Wahrheitsgehalt der Artikel sind daher die beiden wichtigsten Zielkriteren. Viele externe Kritiker und Studien "staunen" darüber, wie gut das in Wikipedia dargestellte Wissen schlussendlich ist. Den Insider erstaunt dies weniger, weil sich parallel auch Kontrollmechanismen entwickelt haben, deren Ausfüllung auch zum Sinn der Mitarbeit vieler Wikipedianer geworden sind: die Relevanzkriterien für die Aufnahme von Artikeln und eine damit verbundene Löschdiskussion sowie die Forderung nach belastbaren externen Quellen und Belegen für Aussagen.