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(Die Schweizer Medizin und die AusländerInnen)
(Die Schweizer Medizin und die AusländerInnen)
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RICHTIG ist, dass man die Ausbildungskapazitäten auch am Bedarf ausrichten muss - dabei die demgrafischen Gegebenheiten berücksichtigt (rechtzeitig genügend Jüngere, die as dem Berufsleben ausscheidende Ältere ersetzen). Einige Argumentationen sollte man aber sehr genau prüfen
 
RICHTIG ist, dass man die Ausbildungskapazitäten auch am Bedarf ausrichten muss - dabei die demgrafischen Gegebenheiten berücksichtigt (rechtzeitig genügend Jüngere, die as dem Berufsleben ausscheidende Ältere ersetzen). Einige Argumentationen sollte man aber sehr genau prüfen
* Ist altuell ein Ärztemangel vorhanden, wenn die Schweiz 24% mehr berufstätige Äzte pro Einwohner hat als der Durchschnitt der Industreländer<ref> [http://www.infosperber.ch/Artikel/Gesundheit/Keine-Angst-vor-einem-Arztemangel-Herr-Bundesrat Zahlen zum Gesundheitswesen]<ref>  
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* Ist aktuell wirklich ein Ärztemangel vorhanden, wenn die Schweiz 24% mehr berufstätige Äzte pro Einwohner hat als der Durchschnitt der Industreländer<ref> [http://www.infosperber.ch/Artikel/Gesundheit/Keine-Angst-vor-einem-Arztemangel-Herr-Bundesrat Zahlen zum Gesundheitswesen]<ref>  
* Gibt es möglichwerweise ein "Strukturproblem", indem Hausärzte oder Psychiater einfach schlechter bezahlt werden als Spezialärzte und jeder Absolvent sich nach der doch aufwändigen Ausbildung fragt, ob er sich dies antun soll? Muss man hier die finanziellen Anreize ändern?
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* Gibt es möglichwerweise ein "Strukturproblem", indem Hausärzte oder Psychiater einfach schlechter bezahlt werden als Spezialärzte und jeder Absolvent sich nach der doch aufwändigen Ausbildung fragt, ob er sich dies antun soll? Muss man hier einfach die finanziellen Anreize ändern?
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* Fallen die Ursachen, dass ausländische Ärzte gern in die Schweiz kommen, durch mehr Ausbildung von Schweizern wirklich weg? Die gute Bezahlung, die guten Arbeitsbedingungen werden ja bleiben? Entweder man "verelendet" den Arztberuf oder kann Restriktionen für Äusländer einführen, die in Medizinalberufen arbeiten wollen. Ob "Schweizer zuerst" aber angesichts der komplizierten Beziehungen mit der EU haltbar sind? Wenn das Gesundheitswesen ein "Angebotsmarkt" bleibt und die Anbieter selber bestimmen, wieviel Medizin konsumiert wird (einfach mehr Tests, mehr Operationen usw.), wäre ein Überangebot für uns alle kontraproduktiv.
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Die Medizin ist ein "System", wo Angebot und Nachfrage, tatsächlicher Bedarf und Kapazität, Ausbildung und Zustrom Ausgebildeter, Förderung oder Hemmung durch entsprechende finanzielle Anreize, "Selbstregulation" und gesellschaftliche Kontrolle so komplex ineinandergreifen, dass man nicht beliebig an einem einzigen Schräubchen drehen sollte. Es braucht eine Strategie.
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Version vom 23. April 2013, 07:10 Uhr

Die Schweizer Medizin und die AusländerInnen

Die Angst vor "Überfremdung" macht auch nicht vor dem Medizinalbereich halt. Ob und wie weit die Schweiz ihre eigene Identität schützen soll und muss, möge in der politischen Diskussion ausführlichst diskutiert werden - dabei sollte aber nur mit Fakten argumentiert werden, die wirklich stimmen.

NICHT RICHTIG ist, dass die Medizin-Ausbildungsplätze in der Schweiz durch Personen aus dem Ausland "blockiert" werden. Die Schweiz hat Zulassungsregeln zum Studium, welche den Zugang ausländischer Studierender ohne Bezug zur Schweiz erschweren bis verunmöglichen (u.a. eigene Niederlassung oder die der Eltern, "schweizerische Verheiratung", 5 Jahre Wohnsitz und Arbeitsbewilligung). Die nebenstehende Grafik zeigt, dass wirklich vor allem SchweizerInnen in den Universitäten Medizin studieren - besonders in den Universitäten mit NC[1].

Kleiner Länder mit der gleichen Sprache grosser Nachbarländer in der EU (z.B. Belgien oder Österreich) haben es da schwerer. Weil es überall einen NC gibt, nutzen "NC-Flüchtlinge" dies als zweite Chance. Östereich sah sich zu einer Quotenregelung gezwungen (20% der Plätze für EU-Bürger, 5% für Nicht-EU-Bürger), die von der EU nur zeitweise "geduldet" wird und immer wieder vor der Abschaffung steht.

RICHTIG ist, dass man die Ausbildungskapazitäten auch am Bedarf ausrichten muss - dabei die demgrafischen Gegebenheiten berücksichtigt (rechtzeitig genügend Jüngere, die as dem Berufsleben ausscheidende Ältere ersetzen). Einige Argumentationen sollte man aber sehr genau prüfen

  • Ist aktuell wirklich ein Ärztemangel vorhanden, wenn die Schweiz 24% mehr berufstätige Äzte pro Einwohner hat als der Durchschnitt der IndustreländerReferenzfehler: Für ein <ref>-Tag fehlt ein schließendes </ref>-Tag.
  1. Mehr Details siehe Bericht 18 des ZTD S. 11 ff. In Genf gelten zusätzlich besondere Regelungen (Rücksicht auf Kinder der dort lebenden Diplomaten), dass der Ausländeranteil bei Doktoratsstudien zumindest etwas höher ist, sollte im Interesse der internationalen Vernetzung sogar ausgebaut werden, denn viele SchweizerInnen verlassen im Rahmen von Austauschprogrammen dann auch die Schweiz und lernen dort Neues.