EMS: Unterschied zwischen den Versionen
(→Die Schweizer Medizin, die AusländerInnen und der Ärztebedarf) |
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RICHTIG ist, dass man die Ausbildungskapazitäten auch am Bedarf ausrichten muss - dabei den demografischen Wandel berücksichtigt und rechtzeitig genügend Jüngere ausbildet, die aus dem Berufsleben ausscheidende Ältere ersetzen. Einige Argumentationen dabei sollte man aber sehr genau prüfen: | RICHTIG ist, dass man die Ausbildungskapazitäten auch am Bedarf ausrichten muss - dabei den demografischen Wandel berücksichtigt und rechtzeitig genügend Jüngere ausbildet, die aus dem Berufsleben ausscheidende Ältere ersetzen. Einige Argumentationen dabei sollte man aber sehr genau prüfen: | ||
Version vom 23. April 2013, 16:28 Uhr
Inhaltsverzeichnis
- 1 Kann man jetzt den Numerus clausus für Medizin abschaffen?
- 2 Die Schweizer Medizin, die AusländerInnen und der Ärztebedarf
- 3 Maturanoten als Zulassungskriterium für das Medizinstudium?
- 4 Die "Schere" zwischen Immatrikulations- und Absolventenzahlen schliesst sich mit NC
- 5 Erfahrung aus Genf: EMS funktioniert nicht "freiwillig"
- 6 Warum der Eignungstest "Eignungstest" heisst
- 7 Kapazitätserhöhungen und Numerus clausus sind "zwei Paar Schuhe"
- 8 Auswertung EMS 2012 - genaue Erläuterung des Vorgehens
- 9 Aufkündigung der gemeinsamen Testanwendung mit Österreich ab 2013
- 10 Vorsicht mit Trainingsangeboten zum EMS in Österreich ab 2013
- 11 Einzelnachweise und Fussnoten
Kann man jetzt den Numerus clausus für Medizin abschaffen?
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Der Nationalrat hat am 17.4.13 einen Vorstoss angenommen, der unter anderem zur Aufhebung der Zulassungsbeschränkungen für das Medizinstudium (Numerus clausus, NC) auffordert. Der NC würde die Ausbildungsplätze künstlich verknappen. Nun ist dies kein neues Thema - Kantone (als Träger der Universitäten mit Medizinausbildung) und Bund sind sich schon länger grundsätzlich einig, dass man die Ausbildungskapazitäten erhöhen sollte. Dies geschah auch bereits: Waren es in den Universitäten mit NC (Basel, Bern, Freiburg und Zürich) 2006 noch 838 Anfängerplätze, sind es 2013 bereits 1002, also rund 20% insgesamt bzw. 30% in Humanmedizin mehr. [1].2007 hatte der Schweizerische Wissenschafts- und Technologierat (SWTR) eine Erhöhung der Studienplätze an den medizinischen Fakultäten um 20% empfohlen[2] - ohne dass dies auf Kosten der Ausbildungsqualität gehen darf. Dies wird 2013 erstmals erfüllt. Ein "Detail" verhindert bisher, dass noch mehr geschieht: Medizin-Studienplätze, vor allem die notwendigen Klinikkapazitäten, sind sehr teuer. Dazu gehören z.B. genügend Patienten (oder auch Leichen), Technik, Räumlichkeiten und eine gute Betreuung. Die Kantone, welche die Verantwortung für ihre jeweiligen Universitäten tragen, müssen sparen und die Universitäten gesamthaft entwickeln - statt eines neuen Medizinstudienplatzes können mehrere andere eingerichtet werden. Der Bund wiederum scheint nicht wirklich bereit oder in der Lage, sein Füllhorn für Medizin-Studienplätze noch weiter zu öffnen, auch dafür gibt es gute Gründe[3] . Die fast "trotzig-regressive" Rückkehr zu einer Forderung aus den Anfangsjahren des NC: Wir schaffen einfach den NC ab und alles wird gut wäre heute hochschulpolitisch ausserordentlich problematisch. In der Abbildung rechts sind die Februar-Anmeldungen zum Medizinstudium den Kapazitäten gegenübergestellt. Wie in allen Industrieländern überschreitet die Nachfrage das Angebot, hier und heute etwa drei- bis vierfach und dies mit nahezu linear steigender Tendenz seit 2000, wo auch kein Ende abzusehen ist. Ein Medizinstudium ist und bleibt attraktiv - nicht nur wegen der vielen Arztserien, sondern auch weil die "Mangeldiskussion" diesen Beruf immer attraktiver und zukunftssicherer macht. Gäbe es keinen NC und keinen Zulassungstest, müsste dieser Personenkreis tatsächlich immatrikuliert werden. Selbst wenn dann weiter wie bisher ca. 20% vor Studienbeginn abspringen, käme auf die Universitäten ungefähr die dreifache Menge Anfänger zu wie heute mit NC. Man möge sich selber ausmalen, welches Chaos dies für die Studienpraxis bedeuten würde. 1998, als der NC gegen beträchtliche Widerstände eingeführt wurde, gab es eine Überschreitung der Kapazitäten um lediglich 20-30% und schon dies verhinderte die Einführung von Studienreformen, wurde an den Universitäten als dringlich zu lösendes Problem wahrgenommen. Heute sind es rund 300%, also etwa zehnmal mehr! Ein "darwinistischer" Kampf der Studierenden untereinander um die beschränkten Ressourcen (seien es Bücher, Seminar- und Übungsplätze oder einfach nur Sitzplätze im Hörsaal) fördert nicht wirklich eine Persönlichkeitsentwicklung, die für Medizin unerlässlich ist. Wenn man auf begrenzte und teure Ressourcen während des Studiums warten muss und diese dann wie ein "Nadelöhr" wirken, verlängert sich durch diesen "Stau" lediglich die Studienzeit - gibt es nicht mehr Absolventen. Die Gretchenfrage ist, ob man zuerst das Geld für den Ressourcenausbau beschaffen muss oder auf eine imaginäre "Selbstregulationsfähigkeit" der Universitäten durch Abbau des "Schutzdammes NC" und deren "Flutung" hoffen kann (und so die Geldfrage nicht lösen muss). Dieses Experiment sollte man im Interesse der Erhaltes der Ausbildungsqualität nicht im Fach Medizin machen, weil das eben auch eine Berufsausbildung ist, unter deren Mängeln wir dann alle leiden - auch mangels eigener Kontrollmöglichkeiten wie beim Coiffeur oder Bäcker. Die Schweiz hat aktuelle Erfahrungen mit "ohne Numerus clausus" - nämlich in der Westschweiz[4]. Dort ist die Nachfrage allerdings nur doppelt so hoch wie das Platzangebot. Es müssen trotzdem nach dem ersten Jahr verschärfte inneruniversitäre Prüfungen durchgeführt werden, um die Studierendenzahl in der klinischen Ausbildung auf das Machbare zu reduzieren. Da man nicht bestandene Prüfungen auch einmal wiederholen kann, verlieren die rund 50% Abbrechenden ein bis zwei Jahre Lebenszeit, binden in dieser Zeit aber auch Ausbildungs-Ressourcen. Trotzdem resultieren nicht mehr Studienabschlüsse[5]. Dass man an diesen Universitäten mit der Situation ohne NC nicht glücklich ist und Lösungen für den Abau der Überlastung sucht, finden Sie im Beitrag Genf betreffend etwas weiter unten. Die Diskussion um die Erhöhung der Kapazitäten sollte auch weiterhin mit Augenmass und differenziert geführt werden, denn nicht jedes Pro-Argument ist unumstritten. Sieht man es optimistisch, kann man den Entscheid des Nationalrates als deutliches Signal interpretieren, dass auch der Bund etwas unternehmen und auf die Kantone zugehen soll. Das bedeutet in jedem Falle wohl auch, Geld in die Hand nehmen zu müssen. Man darf dabei aber nicht ausser Acht lassen, dass jede "Drohung" ggf. auch einmal realisiert werden müsste. Das dann entstehende Chaos in der Medizinausbildung bei Zulassung aller möchte ich mir nicht vorstellen und ab etwa in 7 Jahren sollte man dann bevorzugt ältere Mediziner aufsuchen, wenn man ärztlicher Hilfe bedarf.-- KDH 08:56, 20. Apr. 2013 (CEST) |
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Die Schweizer Medizin, die AusländerInnen und der Ärztebedarf
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Die Angst vor "Überfremdung" macht auch nicht vor dem Medizinalbereich halt. Ob und wie weit die Schweiz ihre eigene Identität schützen soll und muss, möge in der politischen Diskussion ausführlich diskutiert werden. Dabei sollte aber mit Fakten argumentiert werden, die wirklich stimmen. NICHT RICHTIG ist, dass die Medizin-Ausbildungsplätze in der Schweiz durch Personen aus dem Ausland "blockiert" werden. Die Schweiz hat Zulassungsregeln zum Medizin-Studium, welche den Zugang ausländischer Studierender ohne Bezug zur Schweiz erschweren bis verunmöglichen (u.a. eigene Niederlassung oder die der Eltern, "schweizerische Verheiratung", 5 Jahre Wohnsitz und Arbeitsbewilligung). Die nebenstehende Grafik zeigt, dass wirklich vor allem Schweizerinnen und Schweizer an den hiesigen Universitäten Medizin studieren - besonders in den Universitäten mit NC[6]. Kleinere Länder mit der gleichen Sprache grosser Nachbarländer in der EU (z.B. Belgien oder Österreich) haben es da schwerer. Weil es überall einen NC gibt, nutzen "NC-Flüchtlinge" die kleineren Länder als zweite Chance. Österreich sah sich zu einer Quotenregelung gezwungen (20% der Plätze für EU-Bürger, 5% für Nicht-EU-Bürger), die von der EU aber nur zeitweise "geduldet" wird und immer wieder vor der Abschaffung steht. Letztlich wird die "Ausländerfrage" der Medizin erst ab der Ebene der Weiterbildung relevant. Für viele ausländische Ärzte ist die Schweiz eine interessante Erfahrung im Rahmen ihrer Facharztausbildung, wo man bekanntlich einige Stationen "rotierend" durchlaufen muss. Hier müsste man untersuchen, ob diese Personen überhaupt die Absicht haben, hierzubleiben - und wie viele Schweizer im Gegenzug für ihre Fachausbildung oder allgemein gern auch einige Zeit ins Ausland gehen. Im November 2012 ermittelte das BAG in einer Studie, dass 200 Schweizer Ärzte jährlich ins Ausland auswandern[7]. Die Internationalisierung macht auch vor den Biografien der Ärzte nicht halt. Bei den 40% der Assistenzärzte mit ausländischer Nationalität, die in Schweizer Spitälern arbeiten[8] wurde auch ein Teil in der Schweiz ausgebildet (alle Niedergelassenen, die zum Studium zugangsberechtig sind) - was in den Statistiken leider nicht unterschieden wird. Der "effektive Import" ist mit Sicherheit also geringer. RICHTIG ist, dass man die Ausbildungskapazitäten auch am Bedarf ausrichten muss - dabei den demografischen Wandel berücksichtigt und rechtzeitig genügend Jüngere ausbildet, die aus dem Berufsleben ausscheidende Ältere ersetzen. Einige Argumentationen dabei sollte man aber sehr genau prüfen:
Die Medizin ist ein "System", wo Angebot und Nachfrage, tatsächlicher Bedarf und Kapazität, Ausbildung und Zustrom Ausgebildeter, Förderung oder Hemmung durch entsprechende finanzielle Anreize, "Selbstregulation" und gesellschaftliche Kontrolle so komplex ineinandergreifen, dass man nicht beliebig an einem einzigen Schräubchen drehen sollte. Es braucht eine Strategie. -- KDH 10:34, 23. Apr. 2013 (CEST) |
Die Medizin-Studienplätze der Schweiz stehen Schweizerinnen und Schweizern zur Verfügung Presseecho zum Thema |
Maturanoten als Zulassungskriterium für das Medizinstudium?
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Wenn jemand einen exzellenten Maturaabschluss gemacht hat, dann aber aufgrund des EMS-Testergebnisses nicht zum Wunschstudium Medizin zugelassen wird, ist das ärgerlich und öffentliche Beschwerden darüber finden schnell Zustimmung. Es gibt verschiedenste Gründe, warum das auftreten kann - nicht nur eine schlechte "Tagesform" beim Eignungstest. Sehr vereinfachend: Gute Leistungen in der Schule kommen mindestens vom Fleiss und den Fähigkeiten. Durch mehr Zeitaufwand kann man einiges kompensieren. In der Testsituation ist die Zeit für alle gleich kurz und diese Kompensationsmöglichkeit durch mehr Zeitaufwand fällt weg. Die Schulbewertung hängt eben nicht nur von den Fähigkeiten ab. Sogenannte Overachiever werden dann von denen überholt, die in der Schule ihre wahren Fähigkeiten nicht umgesetzt haben oder umsetzen konnten (sogenannte Underachiever). Einige Personen unterschätzen den Test und bereiten sich zu wenig vor, weil sie sich auf ihre guten Fähigkeiten verlassen. So verlieren sie beim Test Zeit, um noch herauszubekommen, was eigentlich zu tun ist[10]. Wieder andere kommen mit der Belastungssituation des EMS nicht zurecht - sie ist aber gewollt, weil auch Medizinalberufe dann hohe Ansprüche an die Belastbarkeit stellen. Wenn der Zugang zum Studium beschränkt werden muss, dann sollen diejenigen bevorzugt eine Chance erhalten, die das Studium mit höherer Wahrscheinlichkeit in angemessener Zeit und mit guten Ergebnissen abschliessen. Das ist die "Philosophie" eines NC, nur dann ist er fair. Nicht alle Abgelehnten sind für ein Studium ungeeignet (siehe auch dieser Beitrag) - man muss sich aber, wenn es einen fairen Wettbewerb um die Studienplätze geben soll, auf gleiche Bedingungen für alle einigen und dann die Besten nach diesen Regeln zulassen. In einer grossen Metaanalyse entsprechender wissenschaftlicher Studien[11] konnte nachgewiesen werden, dass Maturanoten die höchste Prognosekraft für Studienerfolg haben - aber eben nur als Korrelation, quasi im Mittel. Wie sähe es aus, wenn nach der Höhe des Maturadurchschnittes zugelassen würde? Erstens bedeutet der numerisch gleiche Durchschnitt nicht das Gleiche. Kantonsunterschiede, insbesondere bei der Skalierung und Strenge der Notengebung wirken sich aus. Auch die unterschiedlichen Maturitätsquoten in den Kantonen sind zu berücksichtigen. Unterschiedliche Bildungswege (Mittelschule oder dritter Bildungsweg) können ebenfalls nicht immer die gleichen Massstäbe anlegen. So kann eine 6.0 in einem Kanton/für einen Bildungsweg durchaus einer 5.8 (oder tiefer) anderswo entsprechen. Wenn man dies (wie z.B. in Deutschland auf der Ebene der Bundesländer) statistisch korrigieren sprich nivellieren wollte, scheitert dies auch an der grösseren Zahl der Kantone (auch mit grösseren Unterschieden) und den kleineren Personenzahlen. Zweitens könnte bei einer (auch) subjektiven Notenvergabe durch die Lehrpersonen nicht ausgeschlossen werden, dass eine zulassungsentscheidende Rolle irgendwo doch berücksichtigt würde. Vermutlich würde der Kantönligeist da mit hineinspielen - wir denken an die Zeiten, wo festgestellte Kantonsunterschiede beim EMS zu heftigsten Diskussionen hinsichtlich möglicher Benachteiligungen führten. Vereinheitlichung der Anforderungen (auch die Lehrinhalte sind ja nicht identisch) und Bewertungs-Masstäbe, etwa durch die Einführung einer Zentralmaturität könnten nur langfristig etwas an dieser Situation ändern und zumindest eine Mitberücksichtigung bei der Zulassung erlauben. In den erwähnten Metaanalysen wird zum Glück auch deutlich, dass fachspezifische Studierfähigkeitstests (wie der EMS) im Prinzip die gleiche Prognosegüte wie Maturanoten erhalten (Abbildung rechts). Ihr grosser Unterschied ist die Objektivität bzw. Vergleichbarkeit zwischen den Personen. Alle Personen haben exakt die gleichen Bedingungen. Man beachte übrigens auch die niedrige Prognosekraft von Interviews, die wird oft überschätzt. Mit dem EMS steht ein objektives Verfahren mit hoher Prognosekraft zur Verfügung, wo alle Personen die gleiche Chance auf einen Studienplatz haben. Dennoch bleibt die Maturität die wichtigste Voraussetzung für das Studium, aber sie vermag es nicht, die Probleme der Zulassung zu lösen. -- KDH 08:56, 20. Apr. 2013 (CEST) |
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Die "Schere" zwischen Immatrikulations- und Absolventenzahlen schliesst sich mit NC
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Im Jahre 2007 wurde man durch eine sich vermeintlich "öffnende Schere" zwischen den Zahlen der Arztdiplome (Absolventen) und der Immatrikulationen zum Humanmedizinstudium (Studienanfänger) aufgeschreckt - immer mehr Zulassungen stünden immer weniger Absolventen gegenüber. Der Numerus clausus (NC) bzw. der Eignungstest gerieten sofort mit unter Verdacht, daran schuld zu sein.[12]. Allerdings wurden für Immatrikulationen und Absolventen jeweils die Zahlen des gleichen Jahres verglichen - durch die Unterschiede für Zeiten mit und ohne NC sah das auf den ersten Blick wirklich etwas bedenklich aus. Da die durchschnittliche Studiendauer etwa 7 Jahre beträgt, sollte man korrekterweise die Immatrikulationen mit den jeweiligen Absolventenzahlen nach ca. 7 Jahren vergleichen. Ausserdem ist die Situation für Universitäten mit und ohne NC unterschiedlich - aufgrund der heutigen Zahlen bietet sich nun ein viel klareres Bild: In den Universtäten mit Numerus clausus haben sich beide Zahlenreihen stark angenähert, die Effektivität der Ausbildung ist sehr hoch geworden. Es werden heute vergleichbare Absolventenzahlen wie zur Zeit ohne NC erreicht - aber ohne so viele Ressourcen für Studienabbrüche aufwenden zu müssen und die Universitäten zu überlasten. Die Spitze bei den Immatrikulationen 2001/2002 ist übrigens auf die doppelten Jahrgänge wegen Verkürzung der Maturität zurückzuführen. Dort wurden zeitlich befristet auch mehr Mittel zur Verfügung gestellt, die offensichtlich wirksam eingesetzt werden konnten. Würde man die Mittel für einen Kapazitätsausbau wieder zur Verfügung stellen, sollte dies auch wieder funktionieren. In den Universitäten ohne Numerus clausus bleibt die Differenz Zulassungen-Absolventen annähernd konstant - durch die verschärften inneruniversitären Prüfungen nach dem ersten Jahr müssen bekanntlich Personen "herausgeprüft" werden. Wie beim Vergleich der Anmeldezahlen sieht man, dass die Überlastung dort bis zum Jahr 2004 wesentlich geringer war als in den Universitäten mit NC. Erst ab 2005 steigen die Immatrikulationszahlen deutlich und es wird interessant, ob der Output konstant bleibt oder durch die "Verstopfung" sogar geringer wird, wie sich im Vergleich der Studienanfänger 2003 und 2004 andeutet (was sich allerdings auch schon in den Analysen zum Prüfungserfolg der einzelnen Universitäten zeigte[13] Die Zulassungsbegrenzungen haben also nachweislich zu einer effektiveren "Bewirtschaftung" der begrenzt vorhandenen Studienplätze geführt. Will man mehr Absolventen, muss man mehr Plätze finanzieren (was auch funktioniert). Blosses Fluten der Universitäten bringt nicht mehr Absolventen. -- KDH 20:04, 21. Apr. 2013 (CEST) |
Wenn Sie das vergrösserte Bild dann erneut anklicken, wird es noch lesbarer Beim Vergleich Zulassungen: Absolventen hat sich die "Schere" für die Unis mit NC geschlossen - die begrenzten Kapazitäten werden effektiver bewirtschaftet. Zu Universitäten ohne NC bleibt ein Unterschied. Presseecho zum Thema
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Erfahrung aus Genf: EMS funktioniert nicht "freiwillig"
| In Genf ging ein dreijähriger Feldversuch zuende, den EMS "obligatorisch, aber nichtselektiv" durchzuführen. Dies bedeutete: Allein die Teilnahme am Test war Pflicht, für eine Immatrikulation aber bereits ausreichend. Man hoffte, dass die Personen aufgrund des Testergebnisses selbst einschätzen, welche Chancen sie auf ein erfolgreiches Bestehen der Prüfungen haben und dass sie ggf. auf eine Bewerbung verzichten. Bekanntlich müssen in Genf zwischen 50% und 60% der Personen nach dem ersten Jahr "herausgeprüft" werden, weil die Ausbildungskapazitäten nicht für mehr Personen ohne Qualitätseinbussen reichen.
Die Ergebnisse sind ernüchternd, aber nicht unerwartet: Es verzichten zu wenige Personen, die verschärften Prüfungen bleiben weiter fast auf gleichem Niveau nötig. Der Verzicht erfolgt nicht nur nach der Testleistung, manche Testschlechtere bleiben bezüglich des Erfolges "rückmeldungsresistent" optimistisch. Beraten lassen will sich praktisch kaum jemand. Die schlechteren Testleistungen gegenüber der Durchführung mit NC und der geringere und abnehmende Vorbereitungsaufwand sprechen dafür, dass der Test weniger ernst genommen und als "notwendiges Übel" absolviert wird. Dass es eine (zu) geringe Korrelation des Testergebnisses mit dem Prüfungserfolg gibt, gilt zumindest für das erste Jahr 2010 nicht. Dort liegen diese sogar noch auf dem für fachspezifische Studierfähigkeits üblichen höchsten Niveau. Sie sind erst im 2. Jahr deutlich abgesunken (für das dritte Jahr fehlen noch die Zahlen). Man kann nur spekulieren, ob der Test im ersten Jahr noch ernster genommen, im Jahr 2 dann eher nach dem Motto "Augen zu und durch" absolviert wurde. Dafür spricht die abnehmende Vorbereitungsintensität. Dies deckt sich auch mit Erkenntnissen aus sogenannten Self Assessments (Selbstberatungstests) für die Studienwahl. Dort wurde nachgewiesen, dass bei "Pflichtteilnahme" die Korrelationen mit Erfolgskriterien niedriger sind als bei einer freiwilligen Teilnahme - wo nur die Personen teilnehmen, die am Ergebnis interessiert sind. Der Test wurde für die Zulassung im Rahmen des Numerus clausus entwickelt - die Ergebnisse legen nahe, dass er nur dann als kapazitätsorientiertes Zulassungskriterium funktioniert. Die Entscheidung für oder gegen ein Medizinstudium muss nicht immer rationalen Argumenten folgen. -> Hier finden sie die genaueren Fakten auf deutsch und hier eine französischsprachige Fassung. --KDH 08:17, 15. Jan. 2013 (CET) |
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Warum der Eignungstest "Eignungstest" heisst
| Weil in den letzten Jahren in der Schweiz nur noch jeder Dritte in Humanmedizin in den Universitäten mit NC einen Studienplatz erhält (vor 2000 waren es teilweise noch 90%), wird zu Recht immer wieder betont, dass die Abgelehnten nicht "ungeeignet" für das Medizinstudium sind. Der EMS heisst deshalb "Eignungstest", weil er die Personen nach dem Merkmal "Studieneignung" reiht und solche Bereiche erfasst werden, die eine Prognose des Studienerfolges ermöglichen. Der Satz "Je besser der Testwert, umso höher die Wahrscheinlichkeit, das Studium mit guten Leistungen in der vorgesehenen Zeit auch zu absolvieren und umso höher die Studieneignung". beschreibt den Zusammenhang am besten.
Wie viele Personen zugelassen werden, bestimmen die Aufnahmekapazitäten, die Zulassungsgrenze beim Testwert hängt also nicht von der Höhe des Testwertes ab. Das sieht man auch daran, dass für die drei Disziplinen Human- Zahn- und Veterinärmedizin unterschiedliche Zulassungsgrenzen beim Testwert bestehen. Mit 3 Bewerbungen auf einen Platz sind die Chancen hier in der Schweiz noch vergleichsweise hoch (Deutschland: über 5 für das Wintersemester und über 12 für das Sommersemester - Österreich 5.5 Personen pro Platz).-- KDH 10:28, 18. Okt. 2012 (CEST) |
Nichzulassung zum Studium bedeutet nicht, ungeeignet zu sein. |
Kapazitätserhöhungen und Numerus clausus sind "zwei Paar Schuhe"
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In der Schweizer Presse wurde angekündigt, dass die Ausbildungskapazitäten für Humanmedizin erhöht werden. Mehr eigener Nachwuchs ist gut - die Ausbildungsqualität darf aber nicht leiden. Die Erhöhung der Kapazitäten erfordert daher einen entsprechenden Ausbau der Klinikkapazitäten (Patienten bzw. Betten, Technik, Betreuungskapazität). Darüber herrscht zwar Konsens - doch der ist teuer. Ohne Unterstützung durch den Bund können die Trägerkantone der betroffenen Universitäten diese Zusatzkosten vermutlich nicht übernehmen. Die Nachfrage nach Medizinstudienplätzen folgt in der Schweiz einer eigenen Logik, weil Medizin offenbar immer attraktiver wird - vielleicht auch wegen des propagierten Mangels. 2012 mussten 1618 Personen an den vier Universitäten mit NC abgewiesen werden - wenn wie geplant rund 300 Plätze gesamtschweizerisch an allen sieben Universitäten mehr zur Verfügung stünden, wäre die Nachfrage immer noch deutlich grösser als das Studienplatzangebot. Zwischen 2007 und 2012 sind die Aufnahmekapazitäten für Humanmedizin gesamtschweizerisch schon um 16% erhöht worden, in den Universitäten mit NC zwischen 2006 und 2012 sogar um 19.6%. Um beispielsweise den Standard der Betreuungskapazitäten des Jahres 2000 ohne Numerus clausus (NC) aufrecht zu erhalten, hätte man auch mit Überbuchung bei Zulassung aller 11 Universitäten wie Basel oder 6 wie Zürich zusätzlich seitdem benötigt. Die Zulassung aller bleibt daher eine Illusion. Die Schweiz hat mit 2 Ablehnungen auf eine Zulassung allerdings noch eine vergleichsweise hohe Zulassungsrate. Z.B. in Deutschland gab es schon 9 Bewerbungen auf einen Platz. -- KDH 08:59, 29. Sep. 2012 (CEST) In diesem Zusammehang verweisen wir auch auf folgenden Beitrag, der interessante Zahlen und Fakten zur Situation der Schweiz zusammenstellt. |
Medizin wird als Studienfach immer attraktiver. |
Auswertung EMS 2012 - genaue Erläuterung des Vorgehens
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In diesen Jahr gab es vergleichsweise viele Anfragen zur Auswertung, vor allem wie der mittere Rangplatz gebildet wird und welche Rolle er spielt. Deshalb haben wir aus dem Jahresbericht 2012 das Auswertekapitel vorab veröffentlicht, wo die bisherige Auswertungspraxis ausführlicher erläutert wird. Im Jahre 2012 waren in Humanmedizin nach einer Zulassung bis einschliesslich Testwert 107 noch 5 Plätze übrig, 120 Personen hatten aber den Testwert 106. Ohne den mittleren Rangplatz wäre eine Verteilung dieser 5 Plätze nicht möglich gewesen, da z.B. auch die Verwendung von Kommastellen beim Testwert zu wenig differenziert hätte. -- KDH 08:38, 26. Sep. 2012 (CEST) |
Testwert immer ganzzahlig - bei gleichem Testwert entscheidet der mittlere Rangplatz. |
Aufkündigung der gemeinsamen Testanwendung mit Österreich ab 2013
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Der Schweizer Kooperationspartner hat die Bereitstellung weiterer Versionen ab 2013 eingestellt und den Kooperationsvertrag mit den Medizinischen Universitäten Wien und Innsbruck im September 2012 gekündigt. Wir hoffen, dass die weitere Diskussion zu Genderfragen in Wien von allen Seiten fair gegenüber dem EMS geführt wird. Die genderspezifische Auswertung an der Medizinischen Universität Wien war eine politische Vorgabe. Die Abwägung zwischen einer Zulassung aufgrund der gleichen nachgewiesenen Eignung (Chancengleichheit) und einem Ausgleich für mögliche Nachteile (beispielsweise bedingt durch das Bildungssystem) ist legitim. Die Argumentation "Es sind Genderdifferenzen da - also ist der Test schuld" greift allerdings zu kurz und findet zum Glück wenig öffentliche Akzeptanz. Nachgewiesenermassen prognostiziert der EMS in Österreich die Studieneignung genauso gut und fair wie in den anderen Ländern. Es ist ein Verdienst des EMS, genderspezifische Defizite im österreichischen Bildungssystem mit aufgedeckt zu haben, die zu den vorhandenen Eignungsunterschieden beitragen (z.B. Unterschiede bei Notenstrenge, naturwissenschaftlicher Orientierung oder Förderung). Dies muss ein Test unverzerrt abbilden, wenn er vorgibt, Eignung zu erfassen. In den sechs ersten Jahren des Testeinsatzes war es das gemeinsame Ziel, an der Ursachenbeseitigung dieser Unterschiede zu arbeiten - Veränderungen im Bildungssystem lassen sich offenbar nur schwer und langsam erreichen. Österreich erarbeitete und erarbeitet parallel und ausserhalb des bisherigen Kooperationsprojektes mit der Schweiz ein eigenes Zulassungsverfahren für die Medizinischen Universitäten Innsbruck, Wien und Graz. Dieses soll die Gender-Probleme lösen, die auch in Grazer Wissenstest übrigens immer vorhanden waren (in diesem Jahre sogar am deutlichsten verglichen mit Wien und Innsbruck[14]). Angekündigt wurde eine entsprechende Veränderung des Tests. Eine "Kaschierung" der Unterschiede wird mit jedem Verfahren schwierig werden, welches immer noch Eignung erfassen will. Sie finden dazu in der WIKIPEDIA mehr Einzelheiten. -- KDH 08:45, 26. Sep. 2012 (CEST) |
7 Jahre gemeinsamer EMS-Testanwendung mit Österreich beendet. |
Vorsicht mit Trainingsangeboten zum EMS in Österreich ab 2013
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Einige Trainingsanbieter in Österreich werben genauso für ihre Kurse zum EMS weiter wie bisher. Da der EMS ab 2013 in Österreich nicht mehr durchgeführt wird und Einzelheiten zum neuen gemeinsamen österreichweiten Test laut Presse erst im Dezember mitgeteilt werden sollen, ist Vorsicht angebracht, sich bereits jetzt in Kurse einzuschreiben oder Materialien zu erwerben. -- KDH 08:48, 26. Sep. 2012 (CEST) Der EMS ist nicht nur bezüglich seiner konkreten Aufgaben, sondern auch seiner Aufgabenstruktur urheberrechtlich geschützt. Da Österreich nur die einmaligen Nutzungsrechte für das jeweilige Jahr erworben hat, wird es weder einen erneuten Einsatz alter Aufgaben noch einen Einsatz von nachempfundenen Aufgaben in der gleichen Aufgabenstruktur geben können. Insofern ist der Erwerb alter Trainingsmaterialien, die jetzt quasi zu "Schleuderpreisen" angeboten werden, nicht wirklich sinnvoll. -- KDH 16:28, 10. Okt. 2012 (CEST) |
Kein Geschäft mit der Angst! |
Einzelnachweise und Fussnoten
- ↑ Steigerung zwischen 2006 und 2013 in Humanmedizin von 546 auf 713 Plätze (inclusive 20 Plätze Chiropraktik), dazu Zahnmedizin (139 Plätze) und Veterinärmedizin (150 Plätze)
- ↑ Schweizerischer Wissenschafts- und Technologierat (2007): Ärztedemografie und Reform der ärztlichen Berufsbildung. S. 67.
- ↑ Siehe dazu auch die Medienmitteilung der SUK zum Eignungstest 2013, wo eine ausführliche Bewertung der Situation erfolgt
- ↑ In Genf, Lausanne und Neuenburg gibt es keinen Numerus clausus
- ↑ siehe die FAQ zu EMS und NC. Frage 17 und 18: In den Universitäten mit NC werden die Studienplätze deutlich effektiver bewirtschaftet als in denen ohne NC. Die "Schere" zwischen Zulassungen und Absolventenzahlen hat sich mit NC geschlossen und dort sind um 90% der Studienanfänger nach dem 2. Jahr noch im Studium.
- ↑ Mehr Details siehe Bericht 18 des ZTD S. 11 ff. In Genf gelten zusätzlich besondere Regelungen (Rücksicht auf Kinder der dort lebenden Diplomaten). Dass der Ausländeranteil bei Doktoratsstudien zumindest etwas höher ist, sollte im Interesse der internationalen Vernetzung sogar ausgebaut werden, denn viele Schweizerinnen und Schweizer verlassen im Rahmen von Austauschprogrammen dann auch die Schweiz und lernen im Ausland Neues.
- ↑ http://www.nzz.ch/aktuell/schweiz/200-schweizer-aerzte-wandern-jaehrlich-ins-ausland-aus-1.17761058 200 Schweizer Ärzte wandern jährlich ins Ausland aus NZZ vom 5.11.2013]
- ↑ Krankenhausstatistik 2011 – Standardtabellen BFS Aktuell Tabelle B3
- ↑ Zahlen zum Gesundheitswesen siehe Artikel aus Infosperber
- ↑ Man beachte den Unterschied zwischen Vorbereitung, um das optimale Leistungsniveau zu erreichen und den "Trainingsversprechen" bestimmter Anbieter
- ↑ Benedikt Hell, Sabrina Trapmann & Heinz Schuler Eine Metaanalyse der Validität von fachspezifischen Studierfähigkeitstests im deutschsprachigen Raum
- ↑ FAQ zu NC und EMS Genauere Details siehe Seite 15 ff.
- ↑ FAQ zu NC und EMS Details siehe Frage 18, Seite 18ff
- ↑ Der Standard vom 1.8.2012
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