EMSwerkstatt: Unterschied zwischen den Versionen

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== Knappe Ausbildungsressourcen auch optimal bewirtschaften  ==
== Maturanoten als Zulassungskriterium für das Medizinstudium? ==
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Wenn jemand einen exzellenten Maturaabschluss gemacht hat, dann aber aufgrund des EMS-Testergebnisses nicht zum Wunschstudium Medizin zugelassen wird, ist das ärgerlich und öffentliche Beschwerden darüber finden schnell Zustimmung.
 
Es gibt verschiedenste Gründe, warum das auftreten kann - nicht nur eine schlechte "Tagesform" beim Eignungstest. Einige Personen unterschätzen den Test und bereiten sich wenig vor, weil sie sich auf ihre guten Fähigkeiten verlassen. So verlieren sie beim Test Zeit, um noch herauszubekommen, was zu tun ist<ref>Man beachte den Unterschied zwischen Vorbereitung, um das optimale Leistungsniveau zu erreichen und den "Trainingsversprechen" bestimmter Anbieter</ref>. Andere kommen vielleicht mit der mit dem Test verbundenen Belastungssituation nicht zurecht - sie ist gewollt, weil auch Medizinalberufe dort hohe Ansprüche stellen. Wieder andere sind vielleicht besser bewertet worden als es dem Fähigkeitsniveau entspricht (sogenannte [http://de.wikipedia.org/wiki/Overachiever Overachiever). Sie werden dann von denen überholt, die in der Schule ihre wahren Fähigkeiten nicht umgesetzt haben oder umsetzen konnten (sogenannte [http://de.wikipedia.org/wiki/Underachiever Underachiever]).
 
  
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Ist es wirklich so einfach: Mehr Ärztinnen und Ärzte = Abschaffung des Numerus clausus?
  
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Was eine Zulassung ohne Numerus clausus bei stetig steigenden BewerberInnenzahlen in der Schweiz im Fach Medizin bewirkt, ist bestens bekannt: In der Westschweiz (Genf, Lausanne, Neuenburg) gibt es keinen NC – die steigenden Zahlen der letzten Jahre führen dort aber nicht zu mehr Absolvent/innen, sondern zu mehr Abbrüchen des Studiums. Abbrüche müssen sogar „gefördert“ werden: Um das Studium dort mit ausreichender Qualität anbieten zu können, erfolgen verschärfte Prüfungen nach dem ersten Jahr, die wie ein versteckter Numerus clausus wirken müssen. Man muss aber wissen, dass hinter jedem Abbruch in der Regel 2 mindestens vergeudete Semester stehen (mit Repetitionen ggf. mehr) – vergeudet für die Studierenden und die Universitäten hinsichtlich der Betreuungskapazität.
  
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In den am NC beteiligten Universitäten Basel, Bern, Freiburg und Zürich war man seit der Einführung von Zulassungsbeschränkung in der Lage, durch verbesserte Betreuungsverhältnisse Studienreformen so durchzuführen, dass die Bestehensquoten für die Vorprüfungen deutlich angestiegen sind. Heute ist für die Universitäten mit NC eine Quote um 80% Realität (die Prognose der OBSAN-Studie rechnet mit 60%). In Basel und Bern studieren sogar über 90% der Anfänger/innen noch nach der 2. Vorprüfung. Auch in Genf wurden Studienreformen durchgeführt, welche sicher nicht ohne positiven Einfluss auf die Studienqualität geblieben sind. An der Notwendigkeit der verschärften inneruniversitären Selektion nach dem ersten Jahr konnte diese Tatsache aber nichts ändern.
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Die Gesamtstrategie zur Erhöhung der Zahl medizinischer Grundversorger/innen muss an den richtigen Stellschrauben ansetzen und vor allem die nötigen Ausbildungskapazitäten schaffen (z.B. Klinik-kapazitäten), damit die Studierenden auch eine Chance haben, eine qualitativ ausreichende Ausbildung zu erhalten. Der NC ist dann ein Mittel der optimalen „Bewirtschaftung“ der vorhandenen Studienplätze für das teure Studium der Medizin. Die optimale Strategie müsste daher drei Faktoren berücksichtigen:
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#Festlegung des Bedarfs an Ärztinnen und  Ärzten
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#Schaffung der dafür notwendigen Ausbildungskapazitäten, vor allem Klinikkapazität
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#Entsprechende Zulassung Geeigneter, um  vorhandene Kapazitäten optimal auszunutzen
  
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Zur Abbildung rechts: '''Vom Anfängerjahrgang [Jahreszahl unter jedem Balken] der jeweiligen Universität haben bis Zwischenstand 2008 [gesamter Balken] % der Personen die erste Vorprüfung bestanden sowie [unterer Teil des Balkens] % der Personen die zweite Vorprüfung bestanden.'''
  
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*Der Anfängerjahrgang 2007 umfasst nur das Bestehen der ersten Vorprüfung zum frühestmöglichen Zeitpunkt, keine Repetenten oder später zur Prüfung antretende Personen. 2. Vorprüfungen waren noch gar nicht möglich.
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*Im Anfängerjahrgang 2006 konnten nur Personen die zweite Vorprüfung bestehen, wenn sie die minimal mögliche Studienzeit einhielten. Mindestens für die letzten beiden Jahre werden sich die Prozentsätze daher noch erhöhen. 
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* In den Universitäten ohne NC bestehen durch die steigende Nachfrage ohne Zulassungsbegrenzung immer mehr Personen die verschärften Prüfungen nach dem ersten Jahr nicht. Dies ist gewollt – zeigt aber auch, wie viel Ausbildungskapazität bzw. Lebenszeit der Studierenden nicht zielführend eingesetzt werden muss. Auch der Anteil der Personen, die die 2. Vorprüfung (noch) nicht bestanden haben, steigt für die letzten erfassten Jahrgänge. Dies deutet auf eine verlängerte Studienzeit hin.
  
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|width="25%" bgcolor="#d0d3da"|{{Centershot|Prueferfolg|Prüfungserfolg 1. und 2. Vorprüfung für Universitäten}}<br>
  
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'''Mit NC werden die knappen Ausbildungsressourcen besser bewirtschaftet, es gibt weniger Abbrecher. Realistisch ist, dass mit NC 80-85% der Studienanfänger nach dem 2. Jahr noch studieren.'''
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Aktuelle Version vom 24. April 2013, 07:43 Uhr

Knappe Ausbildungsressourcen auch optimal bewirtschaften

Ist es wirklich so einfach: Mehr Ärztinnen und Ärzte = Abschaffung des Numerus clausus?

Was eine Zulassung ohne Numerus clausus bei stetig steigenden BewerberInnenzahlen in der Schweiz im Fach Medizin bewirkt, ist bestens bekannt: In der Westschweiz (Genf, Lausanne, Neuenburg) gibt es keinen NC – die steigenden Zahlen der letzten Jahre führen dort aber nicht zu mehr Absolvent/innen, sondern zu mehr Abbrüchen des Studiums. Abbrüche müssen sogar „gefördert“ werden: Um das Studium dort mit ausreichender Qualität anbieten zu können, erfolgen verschärfte Prüfungen nach dem ersten Jahr, die wie ein versteckter Numerus clausus wirken müssen. Man muss aber wissen, dass hinter jedem Abbruch in der Regel 2 mindestens vergeudete Semester stehen (mit Repetitionen ggf. mehr) – vergeudet für die Studierenden und die Universitäten hinsichtlich der Betreuungskapazität.

In den am NC beteiligten Universitäten Basel, Bern, Freiburg und Zürich war man seit der Einführung von Zulassungsbeschränkung in der Lage, durch verbesserte Betreuungsverhältnisse Studienreformen so durchzuführen, dass die Bestehensquoten für die Vorprüfungen deutlich angestiegen sind. Heute ist für die Universitäten mit NC eine Quote um 80% Realität (die Prognose der OBSAN-Studie rechnet mit 60%). In Basel und Bern studieren sogar über 90% der Anfänger/innen noch nach der 2. Vorprüfung. Auch in Genf wurden Studienreformen durchgeführt, welche sicher nicht ohne positiven Einfluss auf die Studienqualität geblieben sind. An der Notwendigkeit der verschärften inneruniversitären Selektion nach dem ersten Jahr konnte diese Tatsache aber nichts ändern.

Die Gesamtstrategie zur Erhöhung der Zahl medizinischer Grundversorger/innen muss an den richtigen Stellschrauben ansetzen und vor allem die nötigen Ausbildungskapazitäten schaffen (z.B. Klinik-kapazitäten), damit die Studierenden auch eine Chance haben, eine qualitativ ausreichende Ausbildung zu erhalten. Der NC ist dann ein Mittel der optimalen „Bewirtschaftung“ der vorhandenen Studienplätze für das teure Studium der Medizin. Die optimale Strategie müsste daher drei Faktoren berücksichtigen:

  1. Festlegung des Bedarfs an Ärztinnen und Ärzten
  2. Schaffung der dafür notwendigen Ausbildungskapazitäten, vor allem Klinikkapazität
  3. Entsprechende Zulassung Geeigneter, um vorhandene Kapazitäten optimal auszunutzen

Zur Abbildung rechts: Vom Anfängerjahrgang [Jahreszahl unter jedem Balken] der jeweiligen Universität haben bis Zwischenstand 2008 [gesamter Balken] % der Personen die erste Vorprüfung bestanden sowie [unterer Teil des Balkens] % der Personen die zweite Vorprüfung bestanden.

  • Der Anfängerjahrgang 2007 umfasst nur das Bestehen der ersten Vorprüfung zum frühestmöglichen Zeitpunkt, keine Repetenten oder später zur Prüfung antretende Personen. 2. Vorprüfungen waren noch gar nicht möglich.
  • Im Anfängerjahrgang 2006 konnten nur Personen die zweite Vorprüfung bestehen, wenn sie die minimal mögliche Studienzeit einhielten. Mindestens für die letzten beiden Jahre werden sich die Prozentsätze daher noch erhöhen.
  • In den Universitäten ohne NC bestehen durch die steigende Nachfrage ohne Zulassungsbegrenzung immer mehr Personen die verschärften Prüfungen nach dem ersten Jahr nicht. Dies ist gewollt – zeigt aber auch, wie viel Ausbildungskapazität bzw. Lebenszeit der Studierenden nicht zielführend eingesetzt werden muss. Auch der Anteil der Personen, die die 2. Vorprüfung (noch) nicht bestanden haben, steigt für die letzten erfassten Jahrgänge. Dies deutet auf eine verlängerte Studienzeit hin.
Prüfungserfolg 1. und 2. Vorprüfung für Universitäten - Zum Vergrössern anklicken


Mit NC werden die knappen Ausbildungsressourcen besser bewirtschaftet, es gibt weniger Abbrecher. Realistisch ist, dass mit NC 80-85% der Studienanfänger nach dem 2. Jahr noch studieren.

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